Kommentar

Kein Recht auf Waffentragen

Schützen an einem ihrer Traditionsanlässe: Am Morgartenschiessen.

Schützen an einem ihrer Traditionsanlässe: Am Morgartenschiessen.

Der Nationalrat diskutiert heute über die Verschärfung des Waffenrechts. Der Kommentar von Inland-Redaktor Dennis Bühler.

Schon der bundesrätliche Vorschlag kommt Schweizer Schützen und anderen Waffennarren weit entgegen: Dank einer auf hiesige Gepflogenheiten gemünzten Bestimmung in der EU-Waffenrichtlinie sollen Armeeangehörige ihre Sturmgewehre nach Dienstende auch künftig nach Hause nehmen dürfen, sofern sie Mitglied in einem Schützenverein sind oder nachweisen, regelmässig zu trainieren. Bereits diese vom Bundesrat in Brüssel geschickt ausgehandelte Extrawurst ist in der EU umstritten.

Trotzdem droht die hiesige Waffenlobby seit Monaten unverhohlen mit dem Referendum. Mit Erfolg: Die vorberatende Sicherheitskommission, deren Vorschlag sich heute im Nationalrat wohl durchsetzen wird, hat derart viele weitere Zugeständnisse gemacht, dass die Verschärfung des Waffenrechts kaum noch Auswirkungen zeitigen würde. Stattdessen riskiert sie unnötigerweise die Schweizer Schengen-Mitgliedschaft.

Geht es nach der federführenden Waffenlobbyorganisation Pro Tell, soll dies erst der Anfang sein. Im militanter werdenden Verein herrscht die amerikanische Doktrin: «Ein Bürger ohne Waffe ist nur noch ein Steuerzahler.» Der Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor, der neue starke Mann im Vorstand, forderte vor einigen Monaten im Parlament gar das Recht auf Waffentragen für alle Schweizer Bürger. Wer wachen Verstandes ist, kann in den USA allerdings kein Vorbild sehen. Mit grossem Abstand führt dieses Land die Weltrangliste der Schusswaffentoten an. Ob wir uns dem angleichen sollten? Die Schweiz liegt jetzt schon auf Rang zwei.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1