Kommentar

Ist die 2. Bundesliga wirklich besser als unsere Super League?

Sind unsere Fussballer weniger gut als diejenige der 2. Bundesliga?

Sind unsere Fussballer weniger gut als diejenige der 2. Bundesliga?

Die höchste Spielklasse des Schweizer Fussballs ist nicht in Bestform. Im Uefa-Ranking abgestürzt, mit spärlichen finanziellen Ressourcen und entsprechend weniger professionellen Strukturen – kein Wunder, spielen unsere besten Spieler lieber im Ausland. Eine Analyse vor dem Saisonstart.

Vor ein paar Tagen hat Victor Palsson in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» eine erschütternde Aussage gemacht. Das Niveau in Deutschlands 2. Bundesliga sei höher als in der Super League, hat der Isländer ein halbes Jahr nach seinem Transfer vom FCZ zu Darmstadt behauptet. Eine Frechheit, oder die Wahrheit?

Fakt ist, dass unsere höchste Spielklasse bei weitem nicht in Bestform ist. Im Uefa-Ranking ist sie derart abgestürzt, dass im Europacup in der Saison 20/21 nur noch vier Schweizer Vereine am Start sein werden und bloss noch einer davon die Chance auf die Champions-League-Teilnahme hat.

Die Ursachen liegen auf der Hand: Die marginalen Fernseheinnahmen erlauben keine spektakulären Transfers, und weil die besten Schweizer Profis zu Dutzenden im Ausland kicken, fehlen die einheimischen Zugpferde. Was allerdings nichts daran ändert, dass auch Eigenverschulden zur Misere geführt hat.

Ein Ärgernis ist, dass es noch immer Klubs gibt, die sich für den Europacup qualifizieren, dann aber die internationale Bühne vernachlässigen, weil sie sich auf die nationale Meisterschaft konzentrieren wollen, um, groteskerweise, wieder einen Europacupplatz ins Visier zu nehmen … Mit Rang 26 im Uefa-Ranking war das Schweizer Abschneiden in der letzten Saison so schlecht wie seit 14 Jahren nicht mehr.

Trotz der vielen Defizite ist es selbstverständlich nicht verboten, sich auf die neue Saison zu freuen. Die meisten Klubs sind in der Kaderzusammenstellung weiter als in früheren Jahren; da hat ein Lernprozess stattgefunden.

Zwar wird es angesichts des wie immer frühen Saisonstarts noch zu einigen Nachbesserungen und Abgängen kommen, aber offensichtlich ist das Bestreben, schon beim Saisonstart gut aufgestellt zu sein, um nicht in den ersten paar Runden Punkte zu verschenken, die am Ende fehlen.

Auf den ersten Blick verspricht die Saison an der Spitze und am Tabellenende wenig Spannung. Alles andere als die Titelverteidigung durch YB und der direkte Abstieg des ausgebluteten Xamax wären eine Überraschung.

So bleibt Xamax die Hoffnung, dass es anders kommt, als man denkt. Vor der letzten Saison hat ja auch niemand GC als Absteiger auf dem Zettel gehabt; eine Super-League-Saison ohne den Rekordmeister ist lange unvorstellbar gewesen. Immerhin hat mit dem 17-fachen Meister Servette ein Traditionsklub die Rückkehr geschafft.

YB ist trotz namhafter Abgänge erneut eine starke Saison zuzutrauen. Die Transfers von Lustenberger, Sierro und Martins Pereira versprechen einiges. Aber vielleicht denkt man inzwischen einfach reflexartig, es werde ohnehin zu Gold, was Sportchef Christoph Spycher anfasst. Doch die Berner müssen nun beweisen, dass ihr Hunger auf Erfolg um kein My kleiner geworden ist

Gespannt sein darf man ebenso auf den Auftritt des FC Basel, der in der Sommerpause mit seiner Trainerposse für viel Unterhaltung gesorgt hat. Es wäre schon ein mittleres Wunder, würde es Trainer Marcel Koller, der eigentlich schon entlassen war, gelingen, aus Rotblau einen ernsthaften Titelkandidaten zu formen.

Eigentlich wissen wir nur, dass wir nichts wissen: Schafft es Stéphane Henchoz als erster Trainer seit 32 Jahren, länger als zwei Jahre beim FC Sion zu bleiben? Wie sehr kann ihm der geschundene Körper von Transferattraktion Valon Behrami dabei helfen? Was hat der neue FCZ-Künstler Mimoun Mahi drauf? Wird Jonathan Klinsmann die neue Nummer 1 im St. Galler Tor? Und: Erhalten wir endlich Klarheit darüber, wann zum Teufel ein Handspiel denn wirklich ein Handspiel ist?

Vorhang auf für eine Super League mit neuen Gesichtern und Storys. Allein die Einführung des Videobeweises wird uns in Atem halten.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1