Eigentlich sind die Römer gelassene Zeitgenossen. Die Löcher in den Strassen, das Verkehrschaos und der herumliegende Müll: Das habe es ja alles schon vor Raggi gegeben, hörte man bis vor wenigen Monaten. Doch nun ist der Geduldsfaden gerissen: Die Wut auf die Stadtpräsidentin wächst.

Virginia Raggi von der Protestbewegung Cinque Stelle ist in ihrem Amt schlicht überfordert. Und sie ist verblendet: Sie glaubt nach wie vor, das Müllproblem Roms ohne den Bau von neuen Verbrennungsanlagen lösen zu können.

Inkompetenz und Verblendung sind Eigenschaften, gegen die auch etliche Minister der nationalen Regierung nicht gefeit sind. Infrastrukturminister Danilo Toninelli etwa, der den Genuesen weismachen will, dass sie ihre neue Brücke anstelle des eingestürzten Morandi-Viadukts bis Ende Jahr erhalten werden. Dabei hat noch nicht einmal der Abbruch der alten Brücke richtig begonnen. Der Politikchef der Cinque Stelle, Luigi Di Maio, schaffte es, seinen Kollegen in Sachen Vermessenheit noch zu übertrumpfen: Er versprach dank der Einführung eines Bürgereinkommens die «Abschaffung der Armut». Angesichts der knappen Finanzen steht aber längst fest, dass Hunderttausende arme Italiener gar nichts von den versprochenen 780 Euro monatlich erhalten.

Die Römerinnen und Römer haben inzwischen gemerkt, dass man den Versprechen der neuen Regenten nicht zu sehr trauen sollte. Den Genuesen, den Armen und dem ganzen Rest Italiens steht diese Erkenntnis noch bevor.