Freiheit dem Geist! Wie schön, wie romantisch, wenn beim freien Tun sich irgendwie und irgendwann auch Ordnung einstellt, vielleicht gar unverhoffter Glanz. Wenn fehlerhaftes Kleingehölz trotz ewigem Ungeschick sich von selbst aus dem Weg zu räumen beginnt.

Etwa beim Schreiben. Richtig zu schreiben, so glaubte man in den letzten Jahren gern, stelle sich von selber ein, solange man nur schreibt. Kein starres Üben, geschweige denn gar Zwang – einfach Schwung, flotten freien Schwung, und alles wird kulant.

Die Fibel war verpönt, bald danach verdammt. Bei der Fibelmethode, nur ehemalige Pult-Sklaven dürften die noch kennen, werden Buchstaben und Wörter schrittweise und nach festen Vorgaben eingeführt. Kinder, die nach dieser Methode lernten, erzielten nun aber mit Abstand die besten Rechtschreibkenntnisse.

Ein Team des Instituts für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie in Bonn hatte die Lernerfolge von gut 3000 Grundschulkindern in Nordrhein-Westfalen analysiert und drei verschiedene Methoden beim Lesen und Schreiben verglichen. Neuere Methoden wie «Lesen durch Schreiben» oder «Rechtschreib-Werkstatt» schnitten weitaus schlechter ab als Fibelexerzitien.

Der Geist sei frei – natürlich! Aber das wird er offenbar hauptsächlich durch Kampf.