Obwohl ich mich gemeinhin über Bücher auslasse, beschränke ich mich diesmal auf ein Wort, das mir kürzlich aufgefallen ist. Es handelt sich um «Gäst*innen». Nach einigem Bedenken ging mir auf, dass es sich um die Pluralbildung von «der Gast» handeln muss. Dem Autor oder der Autorin muss es darum gegangen sein, in dem Wort den Einbezug nicht nur von Männern und Frauen anschaulich zu machen, sondern, mit dem Sternchen, auch von Menschen, die zwischen diesen Polen changieren. Das ist ein löblich gut gemeintes Unterfangen.

Was einem am Gutmenschentum aber auf den Wecker gehen kann, ist dessen Penetranz. Möglicherweise liegt das Problem darin begründet, dass «der Gast» durch den Artikel männlich determiniert zu sein scheint, sodass man zum Schluss kommen könnte, dass die Mehrzahlbildung «Gäste» nur Männer umfasse. Also, da kommt es natürlich schon darauf an, wer das Wort «Gäste» verwendet. Ein homosexueller Mann stellt sich vielleicht mehrheitlich Männer vor, während ein Typ wie ich sich die Gästeschar aus mehrheitlich holder Weiblichkeit bestehend vorstellen mag.

Wir haben nun mal in unserer deutschen Sprache männliche, weibliche und sächliche Artikel. Es könnte allerdings angezeigt sein, dass der Nationalfonds einmal ein Projekt finanziert, das feststellt, ob in unserer Sprache die Verteilung der Artikel der populationsmässigen Geschlechterverteilung entspricht oder ob ein patriarchalisch motivierter Überhang an Maskulin-Artikeln besteht. Sollte es sich herausstellen, dass da viel zu viele männliche Artikel verwendet werden, müsste dem sofort Abhilfe verschafft werden, indem die für eine Gleichstellung notwendige Anzahl von männlichen Substantiven geschlechtsumgewandelt würde: Die Haus, die Schiff, das Mond, die Platz et cetera.

Eventuell müsste geprüft werden, ob man nicht überhaupt die Artikel einer je individuellen Zufallswahl überlassen sollte. Das würde insbesondere für Lernende die Sprachbarriere enorm senken. Oder warum nicht einfach wie die Engländer einen geschlechtsneutralen Artikel verwenden. Also zum Beispiel «diea» (aus die, der, das).

Viel dringender als eine Geschlechtsbereinigung der Artikel finde ich, dass man mit dem Kujonieren der Verben aufhören sollte. Was diese Verben alles erleiden müssen: ich laufe, du läufst, er/sie/es läuft, wir laufen, ihr läuft, sie laufen. Machen wir es doch so, dass wir nur die erste Person Singular kujonieren respektive konjugieren, den Rest aber im Infinitiv belassen: ich laufe, du laufen, er/sie/es laufen, wir laufen, ihr laufen, sie laufen. Das würde das Erlernen unserer Sprache erleichtern!

Eine Wortbildung wie «Gäst*innen» schockiert mich. Wenn die Verbesserung der Welt schon im Kleinen solche Scheusslichkeiten hervorbringt, wie sieht das erst im Grossen aus? Übrigens, wie hat man sich die Aussprache des Sternchens vorzustellen? Vielleicht, wie in den Khoisan-Sprachen, mit einem Klick- oder Schnalzlaut?