Kommentar

«Ehe für alle» – die schwierigen Fragen kommen erst noch

Menschen demonstrieren in Bern für die «Ehe für alle»

Menschen demonstrieren in Bern für die «Ehe für alle»

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund sagt deutlich ja zur «Ehe für alle». Ein bemerkenswerter Schritt, der aber weitere Fragen nach sich zieht.

Die katholischen Bischöfe machen es sich einfach: Eine Haltung zur Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare haben sie nicht. Sie verweisen darauf, dass dies eine Frage des Zivilrechts sei. Das ist eine sehr bequeme Art, sich um eine Antwort zu drücken. Die reformierte Kirche geht einen anderen Weg. Trotz lautem Getöse im Vorfeld hat gestern der Schweizerische Evangelische Kirchenbund deutlich ja gesagt zur «Ehe für alle».

Zwar bleibt es den Pfarrern vorbehalten, ob sie eine Trauung homosexueller Paare vornehmen wollen. Dennoch ist es ein bemerkenswerter Schritt - vor allem in seiner Deutlichkeit. Es ist auch richtig, dass die Reformierten Stellung beziehen. Was taugt eine Kirche, die auf wichtige Fragen des Lebens und gesellschaftliche Entwicklungen keine Antworten geben will?

Ausser der SVP ist keine grosse Partei mehr gegen die Öffnung der Ehe. Nun, da auch noch die Reformierten ihren Segen gegeben haben, steht der Gesetzesvorlage nicht mehr viel im Weg. Zumal die Bevölkerung ohnehin progressiver eingestellt ist, als die politische Elite. Allerdings werden sich neue Fragen stellen.

Die Debatte wird sich verlagern hin zur Fortpflanzungsmedizin. Soll die Samenspende für lesbische Paare erlaubt werden? Und viel schwieriger: Wie halten wir es mit der Leihmutterschaft? Kann man lesbischen Paaren den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin erlauben, schwulen Paaren hingegen nicht? Nach dem Ja zur «Ehe für alle» werden die ethischen Diskussionen nicht einfacher.

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