Wie haben wir uns aufgeregt, als man wieder einmal darauf gekommen ist, dass bei sprachlichen Verlautbarungen grammatikalisches und biologisches Geschlecht nicht übereinzustimmen schienen. Dass das Weibliche jeweils «mitgemeint» sei, ist nachvollziehbar ein schwacher Trost.

Wenn wir in unsere Mundart hineinhorchen, wird es aber noch schlimmer. Die Journalistin Susanne Wenger ist in «Akademien Schweiz: Horizonte» (Nr. 120), der Zeitschrift des Schweizerischen Nationalfonds, dem nachgegangen, warum in gewissen Dialekten (nicht nur der Schweiz) für Frauen sogar die sächliche Form verwendet wird. «S’ schön Anni im Fänschterli lag» heisst es in «Im Aargäu sind zwöi Liebi».

Die Sache erwies sich als weit differenzierter. Kann man die Differenz zwischen «ds Vreni» und «die Verena» damit erklären, dass eine persönliche Nähe oder Distanz ausgedrückt wird, existieren auch andere Kombinationen.

Nur eine (fast) nicht: Die Kombination von männlich und sächlich. Bei vollem Namen kommt es nicht vor (nur verkleinert «ds Hansrüedi» im Wallis und im Berner Oberland). «Auch das dialektale Neutrum» führe auf «patriarchale Geschlechtervorstellungen» zurück, wo das Weibliche das Kleinere ist, wird die Germanistin Helen Christen von der Universität Freiburg zitiert.