Dass Donald Trump und Wladimir Putin miteinander reden und sich verstehen, ist eine gute Nachricht. Die USA und Russland sind die beiden grössten Atommächte der Welt, da sind vernünftige Beziehungen im Interesse aller. Doch wie die beiden Präsidenten am Montag vor laufenden TV-Kameras ihre Männerfreundschaft zelebriert haben, ist irritierend. Geradezu befremdend sind Trumps Schmeicheleien gegenüber dem russischen Präsidenten, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie der Republikaner mit seinen westlichen Verbündeten umgeht: Die Regierungschefinnen von Deutschland und Grossbritannien hat er vergangene Woche brüskiert und Europa am Montag mit Bezug auf den Handelsstreit als «Gegner» bezeichnet. Russland als Freund, Europa als Feind Amerikas? Noch nie hat ein US-Präsident seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs derartige Präferenzen offenbart.

Am brisantesten waren Trumps Aussagen zur Einmischung der Russen in die US-Präsidentschaftswahlen 2016. Eigentlich unfassbar: Der US-Präsident liess, neben Putin stehend, offen, wem er glaubt – seinen eigenen Geheimdiensten, die eine Einmischung festgestellt haben, oder dem russischen Präsidenten, der nichts davon wissen will. Folgerichtig übte Trump keinerlei Kritik an Putin. Stattdessen zog er gegen Hillary Clinton und den US-Sonderermittler Robert Mueller vom Leder. Putin wiederum räumte freimütig ein, dass er sich einen Wahlsieg von Trump gewünscht habe – weil dieser die Beziehungen zu Russland verbessern wollte. Diese waren laut Trump eben noch «schlechter denn je», aber in vier Stunden habe sich nun alles geändert. Ähnlich tönte es nach den Gesprächen mit Nordkoreas Diktator. Die Schwäche des Anführers der freien Welt für autoritäre Männer hat etwas Unheimliches.