Sprachriff

Die bündnerische Ellbogentaktik

Im Taxi gabs eine Einsteigerlektion Surselvisch. (Symbolbild)

Im Taxi gabs eine Einsteigerlektion Surselvisch. (Symbolbild)

Wer fährt so spät durch Nacht und Schnee? Es ist ein Taxi mit Zielort Flims. Die Hälfte der Passagiere möchte eigentlich in die Gemeinde Cumbel. Aber weil Taxis Mangelware sind und zwei vorwitzige Einheimische unseren Van gekapert haben, geht es nach Flims. Kilometerweise in die falsche Richtung.

Das Geld für die Fahrt und den Umtrunk in Flims hätten wir gern gespart. Doch etwas Gutes hatte die Schnee-Odyssee: Die Bündnerinnen unterhielten uns mit einer Einsteigerlektion Surselvisch. «Cumbel heisst im Fall Ellbogen», sagt eine. Das fanden sie lustig. Ist es auch. Aber aus flurnamentechnischer Sicht durchaus logisch.

Die Form eines Ortes ist ein beliebtes Motiv für Flurnamen. In der Deutschschweiz gibt es gegen zwanzig verzeichnete Fluren, die «Ellboge» heissen. Vermutlich hatte die Form dieser Wiesen, Äcker oder Grundstücke irgendetwas Gekrümmtes, das an einen Ellbogen erinnerte. Auch andere Körperteile müssen für diese Methode der Benennung hinhalten. Es gibt Fluren, die heissen «Knie» oder «Hals». Auch «Daumen» oder «Chnöchel» lassen sich finden.

Schliesslich sind wir doch noch gut nach Cumbel gekommen. Etwas später als geplant, dafür etwas schlauer. Was Flims heisst, weiss ich nicht. Dort wollte ich auch nicht hin.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1