Gastkommentar

Der Bundesrat steht in der Pflicht

Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann zur Agrarpolitik: «Die Landwirte müssen die Möglichkeit haben, innovativ zu sein.» (Symbolbild)

Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann zur Agrarpolitik: «Die Landwirte müssen die Möglichkeit haben, innovativ zu sein.» (Symbolbild)

Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann schreibt in seinem Gastkommentar zur Zukunft der Landwirtschaft: «Unser Land ist von Importen abhängig – nicht nur von Lebensmitteln.»

Regieren heisst voraussehen, dafür stehe ich ein. Die Weiterentwicklung der Schweizer Agrarpolitik soll gründlich durchdacht sein.

Es ist entscheidend, dass der Bundesrat sich umfassende Gedanken zur Zukunft der Landwirtschaft machen kann. Jeden Weg muss man abwägen – offen, ohne Tabus und im Sinne einer Zukunft, die den Interessen der Gesamtwirtschaft der Schweiz Rechnung trägt und den Wohlstand unseres Landes sichert.

Der Bundesrat und das Parlament sind, wie ich, überzeugt: Die Ernährungssicherheit der Schweizer Bevölkerung kann nur gewährleistet werden, wenn der Bund internationale Verbindungen stärkt und schafft. Unser Land ist von Importen abhängig – nicht nur von Lebensmitteln, sondern auch von Produktionsmitteln wie Dünger oder Treibstoff. Eine nachhaltige Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft kann nicht auf einer einseitigen Beziehung zu unseren Partnern beruhen. Wir müssen in der Lage sein, unsere Handelsbeziehung gegebenenfalls anzupassen, um unseren allgemeinen Wohlstand zu wahren.

Der Gegenentwurf, über den am 24. September abgestimmt wird, verankert nicht nur die Ernährungssicherheit in der Verfassung, sondern ebnet auch den Weg für Überlegungen zur Zukunft der Schweizer Landwirtschaft. Dieser Text ist ein Versprechen an unsere Kinder und Grosskinder. Wir möchten sicherstellen, dass auch ihnen hochwertige und bezahlbare Lebensmittel zur Verfügung stehen.

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Das Umfeld der Land- und Ernährungswirtschaft hat sich verändert und wird sich weiter verändern. Diese fortwährende Entwicklung der Gesamtwirtschaft und der Bedingungen auf den nationalen und internationalen Märkten erfordert eine kontinuierliche Analyse der aktuellen Politik. Umso drängender ist es, Anpassungen beim Grenzschutz im Kontext der globalen Aussenwirtschaftspolitik möglich zu machen und die Wohlfahrt der Konsumentinnen und Konsumenten zu verbessern.

Manche Familien müssen jeden Franken zweimal umdrehen. Dennoch gilt es nicht den Einkaufstourismus zu bekämpfen. Vielmehr müssen wir uns auf die Kosten konzentrieren. Wenn diese sinken, fallen auch die Preise, und dies zugunsten der Landwirte und der Konsumenten.

Die Landwirtinnen und Landwirte sind sich dieser Situation bewusst und haben erkannt, dass die Rahmenbedingungen unserer Wirtschaft angepasst werden müssen. Sie greifen grossen Herausforderungen vor. Angesichts eines sich weiter öffnenden Marktes haben sie keine andere Wahl, als immer wettbewerbsfähiger zu werden.

In den letzten Jahren hat sich die Landwirtschaft stark gewandelt. Die Generation von morgen muss ihren Unternehmergeist in einem dafür günstigen Umfeld ausleben können. Die Landwirte sind immer mehr auf einen direkten und vereinfachten Zugang zu den Märkten angewiesen. Sie müssen die Möglichkeit haben, innovativ zu sein. Nur so können sie gegenüber der internationalen Konkurrenz bestehen.

Im Herbst wird eine mittelfristige Gesamtschau der Agrarpolitik veröffentlicht. Dieses Dokument wird dem Bundesrat bei den Überlegungen zur Stossrichtung der Politik nach 2021 als Grundlage dienen. Die Öffnung des nationalen Agrarmarkts ist an sich kein Ziel; wir entziehen uns jedoch unserer Verantwortung, wenn wir unsere Landwirtschaft nicht darauf vorbereiten, eine immer stärker vernetzte Welt zu erobern, in der der Wert der Dinge, die wir täglich konsumieren, in mehreren Ländern oder sogar Kontinenten geschaffen wird. Die Wohlfahrt unseres Landes und unserer Bevölkerung ist nur gewährleistet, wenn unsere Wirtschaft – einschliesslich der Landwirtschaft – vollumfänglich an diesen Wertschöpfungsketten teilhat.

Vor diesem Hintergrund ist es meine Pflicht, und die Pflicht von Bundesrat und Parlament, einer qualitativ hochstehenden Landwirtschaft, die national und international erfolgreich ist und den Bedürfnissen der künftigen Generationen und der stetig wachsenden Mittelklasse nachkommt, den Rücken zu stärken. Aus diesen wichtigen und triftigen Gründen soll man am 24. September ein «Ja» in die Urne legen.

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