Kommentar

Coronakrise: Für Google und Co. kommen die fetten Gewinne ungelegen

Raffael Schuppisser
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Während die Pandemie für grosse Wirtschaftseinbrüche gesorgt hat, haben Amazone, Apple, Google und Facebook in nur drei Monaten 38 Milliarden Dollar verdient. Warum das für Big-Tech zum Problem werden könnte.

In Zeiten von Wirtschaftseinbrüchen, Massenentlassungen und Shutdowns vermelden Amazon, Apple, Google und Facebook Riesengewinne. Big-Tech verdient nach wie vor das grosse Geld. Corona hat den Unternehmen nicht geschadet. Im Gegenteil: Wenn die Welt da draussen eine Gefahrenzone ist, verlagert sich das Leben ins Internet. Und dieses dominieren mal die grossen US-Techfirmen.

Die zweite Welle, die den Globus überrollt, dürfte Google und Co. zu einem Rekordjahresergebnis verhelfen. Corona kurbelt das Geschäft an. Champagnerkorken knallen deswegen aber keine – oder höchstens im Verborgenen. Öffentlich üben sie sich die Firmenchefs in Bescheidenheit und Demut.

Als Google-CEO Sundair Pichai verkündete, dass sein Unternehmen den Gewinn um grandiose 60 Prozent steigern konnte, meinte er, dass diese lediglich die Tendenz der Internetbranche widerspiegle. Amazon-Chef Jeff Bezos betonte nicht den Rekordgewinn seines Unternehmens, sondern dass er Milliarden von Dollar über Investment-Projekte in die Wirtschaft gepumpt habe. Und Sheryl Sandberg, Nummer zwei bei Facebook, erläuterte, wie in der Krise kleinere Unternehmen profitieren würden, die auf Facebook setzten. Sie erzählte die Geschichte eines Familienbetriebs, der früher die Seife aus eigener Herstellung auf Märkten verkaufte und nun in der Pandemie dank Facebook sein Geschäft erweitere.

Wenn andere Firmen unter der Krise leiden, ist es natürlich taktlos, sich für die gute Leistung selber auf die Schulter zu klopfen. Klar. Doch die Chefs von Big-Tech verzichten nicht nur aus Mitgefühl und Respekt darauf. Es geht auch um sie und ihre Unternehmen selbst.

Noch nie waren die grossen Internetfirmen so sehr unter politischem Druck wie heute. In Europa laufen schon länger juristische Prozesse gegen ihre mutmasslichen Monopolstellungen und Datenschutzverletzungen. Neuer und gravierender sind die Klagen in den USA, und die Politiker die mittlerweile laut über eine Zerschlagung von Google nachdenken. Fetten Gewinnen in einer Zeit, in der andere Unternehmen grosse Verluste schreiben, kommt da ungelegen. Sie zeigen: Da ist etwas in Schieflage.

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