Kommentar

Bussen für Verliebte, abgesperrte Pissoirs, fehlende Bänkli: Jetzt übertreiben sie es im Bünzliland mit der Gesetzestreue

Abstand halten ist zurzeit das Thema Nummer eins: Das geht auch manchmal zu weit, findet unser Autor.

Abstand halten ist zurzeit das Thema Nummer eins: Das geht auch manchmal zu weit, findet unser Autor.

Die Akzeptanz der Covid-Notverordnungen war hoch. Doch der Unmut im Volk wächst. Grund dafür sind Auswüchse und Widersprüchlichkeiten.

In der Schweiz nimmt man Gesetze ernst. Was in Bern beschlossen wird, gilt. Das hat damit zu tun, dass Volk und Stände in die Ausarbeitung der Grundlagen staatlichen Handelns umfassend einbezogen werden. Legitimität und Akzeptanz behördlicher Vorgaben sind daher gross.

Der Abfallsack gehört erst vor die Tür, wenn die Abfuhr kommt. Und feuchte Wäsche hängt man nicht wie in Neapel auf dem Balkon auf, sie stört das Bild vom properen Land.

Dieser schweizerische Hang zum Perfektionismus mag uns den Alltag erleichtern. In Krisenzeiten jedoch, in welchen das Land per Notrecht regiert wird, droht das System zu überborden.

Polizisten lassen jegliches Augenmass vermissen, wenn sie, wie in Zürich geschehen, ein Liebespaar wegen zu wenig Abstand mit 100 Franken büssen. Schlimmer noch: Das zuständige Bundesamt ist eilfertig genug, das Gebaren der Polizisten als «rechtmässig» zu adeln, was die Sache nicht besser macht. Schlimmer noch als Paragrafenreiter sind behördliche Arroganz und Rechthaberei.

Beispiele, wie im Bünzliland derzeit übertrieben wird, gibt es zuhauf. In der neuerdings wieder geöffneten Tennishalle fehlen die Bänkli, wo sich Spieler hinsetzen könnten. Jedes zweite Pissoir ist abgesperrt. Und im Zug darf man zwar dicht gedrängt reisen, aber auf offener Strasse sind Ansammlungen von mehr als fünf Personen verboten.

Diese Auswüchse und Widersprüchlichkeiten provozieren vermehrt Kritik am Notstandsregime. Und zwar nicht nur von Radikalen und Verschwörungstheoretikern. Sondern von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft.

Bussen werden als absurd und Regeln als willkürlich wahrgenommen. Die Akzeptanz behördlicher Anweisungen sinkt. Diese Entwicklung ist ein Warnsignal. Die Corona-Notverordnung muss deshalb rasch korrigiert werden. Oder besser: Die Sondervollmachten für Behörden sind lieber früher als später aufzuheben.

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