Sieben Bundesrätinnen hatte die Schweiz bis jetzt. Sieben Frauen aus unterschiedlichen Parteien und Landesteilen mit einer optischen Gemeinsamkeit: Sie alle tragen oder trugen die Haare kurz. Diese Beobachtung mag oberflächlich sein, ja sogar zu Kritik führen. Aber die Übereinstimmung der Frisuren fällt auf. Auch bei den möglichen Nachfolgerinnen: Karin Keller-Sutter und Viola Amherd haben ebenfalls kurze Haare.

Der biblische Samson verlor mit seiner Haarpracht auch seine Kraft. Bei den Bundesrätinnen scheint es umgekehrt zu sein; die mächtigen Frauen tragen kurze Haare. Auch bei Angela Merkel und Theresa May wurde die Frisur immer kürzer. Lange Haare gelten bei Frauen als Zeichen der Weiblichkeit.

Müssen sich Frauen in Machtpositionen dieses Attributs entledigen, um ernst genommen zu werden? Diese Vorstellung von Weiblichkeit ist konstruiert. Trägt eine Frau ihr Haar kinnlang, ist es kurz. Bei einem Mann wäre es lang. Ein kurzer Haarschnitt bei Frauen wird gern als frech bezeichnet. Ganz nach dem Motto: Wenn sie keine langhaarige Verführerin mehr ist, dann halt ein keckes Ding.

Bleibt zu hoffen, dass die vergangenen und zukünftigen Bundesrätinnen ihr Haar kurz tragen, weil es ihnen so gefällt. Und weil sie damit genauso weiblich oder keck sein können wie mit langen Haaren. Dass kurze Haare automatisch weniger Aufwand bedeuten, stimmt nicht. Je nach Frisur muss morgens vor dem Regieren jedes Härchen an seinen Platz geföhnt werden.

Bei den Männern scheint Nationalrat Lorenzo Quadri momentan die langhaarige Ausnahme zu sein. Alle anderen tragen die Haare kurz und mussten sich sehr wahrscheinlich nie eine Bemerkung über ihren frechen Haarschnitt anhören.