Kommentar

Annegret Kramp-Karrenbauer wird Ministerin: ein Wechsel mit Risiko

Kanzlerin Angela Merkel macht ihre Wunschnachfolgerin zur Verteidigungsministerin. Das ist eine ziemliche Überraschung – und ein riskanter Schritt für Annegret Kramp-Karrenbauer.

Es ist die zweite handfeste Überraschung binnen weniger Tage. Zuerst war die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) für das Amt der EU-Kommissionschefin nominiert worden, und jetzt wird klar, wer ihre - entgegen alle Erwartungen - Nachfolgerin wird: CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Korrespondentin Birgit Baumann.

Korrespondentin Birgit Baumann.

Zunächst hatten viele eine solche Lösung ja für logisch gehalten. Kramp-Karrenbauer im Kabinett, das bedeutet: Sie bekommt endlich eine grössere Bühne und kann sich mehr Gehör verschaffen. Doch Kramp-Karrenbauer selbst hatte abgewunken und erklärt, sie wolle nicht in die Regierung eintreten, weil sie in der CDU genug zu tun habe. Nun ist alles wieder ganz anders, und man staunt.

Natürlich vergrössert sich der Wirkungskreis der CDU-Chefin nun schlagartig. Sie gelangt an die Spitze eines so genannten schwergewichtigen Ressorts und sitzt wieder näher bei Kanzlerin Angela Merkel. Es soll wohl ein Befreiungsschlag sein, schliesslich hat die Strahlkraft von Kramp-Karrenbauer seit ihrer Wahl zur CDU-Chefin im Dezember so stark nachgelassen, dass viele schon der Meinung sind, sie könne Merkel nicht, wie geplant, eines Tages als Kanzlerin nachfolgen.

Angela Merkel gratuliert der neuen deutschen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Rechts ihre Vorgängerin, die frischgewählte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Angela Merkel gratuliert der neuen deutschen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Rechts ihre Vorgängerin, die frischgewählte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Doch der Wechsel ins Verteidigungsressort birgt für sie auch einige Risiken. Sie übernimmt einen Berg von (finanziellen) Problemen, und es gibt nun eine Konstellation im Kabinett, die keine leichte sein wird. Merkel ist dort die Chefin von Kramp-Karrenbauer, diese muss sich ab jetzt in die Kabinettsdisziplin einfügen. Eigentlich wollte AKK ja ihren eigenen Weg gehen, die Partei langsam von der Übermutter Merkel abnabeln und sich so auf die Kanzlerschaft vorbereiten. Man darf gespannt sein, wie sie das hinbekommen will.

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