Kommentar

500 Coronafälle und mehr Infektionen in Altersheimen: Pflege ohne Nähe ist unmenschlich

Pflegerin in einem Altersheim mit einer Bewohnerin. (Symbolbild)

Pflegerin in einem Altersheim mit einer Bewohnerin. (Symbolbild)

In der Schweiz ist die Zahl der täglichen Coronafälle erstmals seit April wieder auf über 500 gestiegen. Zunehmende Infektionen und auch Todesfälle werden in Alters- und Pflegeheimen gemeldet. Machen diese etwas falsch? Vorsicht vor voreiligen Urteilen!

In den vergangenen Tagen kam es in mehreren Schweizer Altersheimen zu Corona-Ausbrüchen. Mehr als 100 Bewohnerinnen und Bewohner sowie Angestellte sind positiv getestet worden, in einem Heim starben sieben Personen mit einer Covid-19-Infektion. Die Altersheime rücken wieder in den Fokus der Pandemie. Schon bei der ersten Welle im Frühling ging die Hälfte aller Todesfälle auf Menschen in Altersheimen zurück. Keine Gruppe ist gefährdeter.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Virus wieder in die Pflegeheime eindringt. Dafür den Betreuerinnen die Schuld zu geben und Schutzkonzepte zu kritisieren, während draussen alles nach Lockerungen schreit, ist unfair und nicht sachgerecht. Wer je in einer Abteilung für Demenzkranke war, der weiss, wie wichtig für diese Menschen Berührungen sind, es ist oft der letzte Sinn, auf den sie ansprechen.

Wer je gesehen hat, wie liebevoll die Pflegerinnen mit den Betagten umgehen, weiss, Pflege ohne Nähe ist unmenschlich. Diese Menschen müssen umarmt, beim Essen unterstützt und gewaschen werden. Die Pflegenden selbst haben zu Hause Familien, leben vielleicht mit Teenagern zusammen.

Ist das Virus in der Gesellschaft und sind die Ansteckungszahlen so hoch wie in der Schweiz zuletzt, dann springt es auch auf die am stärksten gefährdete Gruppe über. Gänzlich verhindern lässt sich das nicht. Aber es sei uns allen in Erinnerung gerufen, wer den höchsten Preis für Lockerungen bezahlt.

Autor

Katja Fischer De Santi

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