Fahrländer

Medien, Jugend und Demokratie

Übergabe der Lehrplan-21-Volksinitiative im Juni 2015 - die Aargauer Regierung hält nichts vom Anliegen. (Archiv)

Übergabe der Lehrplan-21-Volksinitiative im Juni 2015 - die Aargauer Regierung hält nichts vom Anliegen. (Archiv)

Hans Fahrländer über drei Geschehnisse aus der letzten Woche, namentlich eine Ausstellung im Stadtmuseum in Aarau, die Publikation des Jahrbuchs «Qualität der Medien» und die Antwort der Regierung auf den Lehrplan 21.

Drei Schlaglichter auf drei Ereignisse der abgelaufenen Woche.

Schlaglicht 1: Ein Teil eines Weiterbildungstages der Schule Aarau findet in der Ausstellung «Demokratie!» im Stadtmuseum im Schlössli statt. Den Lehrerinnen und Lehrern wird klar, wie wichtig die Rolle der Schule ist, wenn es darum geht, aus Jugendlichen verantwortungsvolle Demokraten zu machen. Gebannt lauschen sie den Ausführungen von zwei Menschen, die ihre Schulzeit hinter dem Eisernen Vorhang verbracht haben. Wer in einer Diktatur aufwächst, verspürt eine brennende Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie. Und wer in einer Demokratie aufwächst? Sind dem die demokratischen Errungenschaften selbstverständlich – und bald egal?

Schlaglicht 2: Die Nachfolger des legendären Publizistikprofessors Kurt Imhof publizieren das Jahrbuch «Qualität der Medien». Sie orten einen anhaltenden Niedergang der seriösen Informationsmedien, verursacht durch einen anhaltenden Interessenschwund des jungen Publikums an solchen Qualitätsmedien. Die Forscher fordern energische Anstrengungen von Schule und Gesellschaft, um dieses gefährliche Desinteresse zu stoppen. «Wir müssen unbedingt stärker in die Medienkompetenz der Jugendlichen investieren», fordert Imhof-Nachfolger Mark Eisenegger.

Schlaglicht 3: Im Rahmen einer Motionsantwort legt die Regierung ausführlich dar, was sie von der Volksinitiative gegen die Einführung des Lehrplans 21 im Aargau hält, nämlich gar nichts. Schlimm wäre vor allem: Der Gegenentwurf der Initianten zählt die künftig zu unterrichtenden Fächer abschliessend auf, es sind die traditionellen Fächer der guten alten Schule. Neue Fächer und fächerübergreifende Kompetenzen aus dem Lehrplan 21 wie zum Beispiel Medien und Informatik blieben auf der Strecke. Dabei ist es längst belegt: Wer junge Menschen für die Demokratie gewinnen will, muss die neuen und die sozialen Medien einbeziehen. Geschichtsunterricht und Aufforderung zum Zeitunglesen genügen nicht (mehr).

Manchmal ist es gut, dass diese Kolumne nur eine Spalte lang ist. So kann die werte Leserschaft ihre eigenen Kombinationen aus den Darlegungen ziehen.

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