Fahrländer

Knacknuss für den Kanton der Regionen

Die politische Anhörung zur Frage, wo im Aargau künftig Berufsschulen geführt werden sollen – hier Kunststofftechnologen bei der Lehrabschlussprüfung an der BS Aarau – läuft bis Ende September.

Die politische Anhörung zur Frage, wo im Aargau künftig Berufsschulen geführt werden sollen – hier Kunststofftechnologen bei der Lehrabschlussprüfung an der BS Aarau – läuft bis Ende September.

Die Aargauer Berufsschullandschaft soll sich verändern - der Kanton will das so. Damit sollen Kosten gespart und die Qualität der Ausbildung gesteigert weren. Doch die Regionen wehren sich vehement.

Die Regierung legt sich wieder einmal mit den aargauischen Regionen an. Mitte Juni hat sie ein Standort- und Raumkonzept für die Sekundarstufe II in die Anhörung geschickt, sie dauert noch bis Ende September. Gemäss dem Konzept soll die aargauische Berufsschullandschaft, heute bestehend aus 14 Schulen in (fast) allen Regionen – zum Teil kaufmännisch, zum Teil gewerblich-industriell, zum Teil gemischt – gestrafft und fit getrimmt werden. Heute sind etliche Schulen nicht ausgelastet. Mit einer Konzentration der Ausbildungsgänge auf wenige Standorte könnten die Qualität der Ausbildung gesteigert und zudem Kosten gespart werden, zeigt sich die Regierung überzeugt.

Doch es kam, wie es im Aargau kommen musste: Die Regionen, deren Schulen von einer Schliessung bedroht sind, stiegen geschlossen auf die Barrikaden und zerzausten das Konzept. Zwar konnte niemand die Argumente «Bildung von Kompetenzzentren steigert Qualität» und «Steigerung der Effizienz spart Kosten» glaubhaft widerlegen; die Gegner befuhren (fast) ausschliesslich die regionale Schiene: Die Berufsschule gehöre zum angestammten Angebot der Region, eine Schliessung torpediere nachhaltig deren Standortgunst, deren wirtschaftlichen Erfolg und deren Gewicht im Kanton.

Der Konflikt ist bereits im Konzept selber angelegt. Die Regierung stellt drei Ziele, die sie verfolgen will, gleichrangig nebeneinander: «Auslastung», «Bildung von Kompetenzzentren» und «Berücksichtigung der Regionen». Es sind drei gute und wichtige Ziele. Bloss: Man kann sie nicht alle gleichzeitig bedienen. Die Ziele Effizienz und Kompetenz und das Ziel Regionalisierung sind kaum unter einen Hut zu kriegen. Natürlich sucht man nun nach Kompromissen, Konzentration, aber nicht zu viel, Regionalisierung, aber nicht zu viel.

Doch wenn nach der Anhörung die politische Ausmarchung beginnt, wird der Widerspruch offen auf dem Tisch liegen. Die Politik wird sich entscheiden müssen: Will sie mehr Effizienz und Kompetenz – oder weiterhin vor allem Berücksichtigung aller Regionen? Beides miteinander ist nicht zu haben. Eine Knacknuss im Kanton der Regionen.

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