Fahrländer

Die spinnen, die Aargauer, oder nicht?

Das Bundeshaus mit dem Bundesplatz in Bern. (Archiv)

Das Bundeshaus mit dem Bundesplatz in Bern. (Archiv)

Hans Fahrländer philosophiert über die Aargauer Politik und die Ergebnisse von Wahlen und Abstimmungen – und den Smartspiders, die wohl jeden Politiker schnell aufs Blatt projizieren.

Spinnen haben in Wahlzeiten Hochkonjunktur. Gemeint sind diese achteckigen spinnennetzartigen Grafiken von Smartvote oder Vimentis, welche das politische Profil einer Partei oder eines Kandidaten abbilden. Die linken Ecken stehen für linke Gesinnungsmerkmale, die rechten für rechte Standpunkte. Konstruieren wir vor unserem inneren Auge mal ein Spinnennetz für den Homo politicus argoviensis, also den Musteraargauer, soweit er überhaupt wählt und abstimmt.

18. Oktober 2015, Nationalratswahlen: «Die SVP kommt auf 38 Prozent – Rekord!» titelt die «Aargauer Zeitung», zwischen Respekt und Konsternation. Jedenfalls: ein kräftiger Rechtsausleger in der Spinne unseres Musteraargauers. 18. Oktober 2015, Ständeratswahlen: Die SP-Frau Pascale Bruderer marschiert locker als Erste durchs Ziel, sie distanziert die Kandidaten der grossen bürgerlichen Parteien um Längen (bei Pferderennen heisst ein solcher Abstand «Weile»). Also ein kräftiger Linksausleger in der Spinne unseres Musteraargauers.

8. März 2015: Das Aargauervolk verwirft mit 56 zu 44 Prozent ein Sparpaket der Regierung und folgt damit präzis der links-grünen Parole gegen einen «Spaargau». 28. September 2014: Eine «Transparenzinitiative» der Jungsozialisten, welche Politiker und Parteien zur Offenlegung der finanziellen Verhältnisse zwingen wollte, wird von den Bürgerlichen krass unterschätzt, 45 Prozent unterstützen das Juso-Anliegen. 18. Mai 2014: Mit einem Ja-Anteil von 55 Prozent stimmt der Aargau der Initiative «Mundart im Kindergarten» zu. Sie war von einer kleinen Rechtsaussen-Partei lanciert worden, nicht einmal die ganze SVP unterstützte sie.

Was für eine wilde, vielzackige, widersprüchliche Spinne im Netz! Die spinnen, die Aargauer, oder nicht? Wo um Himmels willen soll man sie politisch positionieren, wenn sie innerhalb von anderthalb Jahren derart paradoxe, unvereinbare – ja, man muss es sagen: flatterhafte Signale aussenden? Kommentare vom ultrakonservativen SVP-Kanton, wie man sie in den letzten Tagen mehrfach las, sind jedenfalls nur ein Teil der Wahrheit. Wir sind ja mal gespannt, wie das weitergeht. Eine gewisse Profil-Schärfung wäre dringend erwünscht.

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