Fahrländer

Der Aargau, Modell für die Energiewende

Der Aargau ist (noch?) nicht modellhaft für die Energiewende. Er hat bloss das Potenzial dazu.

Der Aargau ist (noch?) nicht modellhaft für die Energiewende. Er hat bloss das Potenzial dazu.

«Der Kanton Aargau als Modellfall für die bevorstehende Energiewende.» So titelte «Dialog», das Publikationsorgan der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. Doch die Forscher irren: Der Aargau hat bloss das Potenzial dazu.

Letzthin haben wir einen schönen Titel gelesen: «Der Kanton Aargau als Modellfall für die bevorstehende Energiewende.» Der Titel stand allerdings nicht in einer Tages- oder Wochenzeitung, sondern in «Dialog», dem Publikationsorgan der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft.

Die Forscher haben das Potenzial an erneuerbaren Energien im Aargau erkundet. Gut 60 Prozent des Strombedarfs werden im «Wasserkanton» aus erneuerbaren Energieträgern gedeckt, der Löwenanteil (2925 Gigawattstunden pro Jahr) aus der Wasserkraft.

Dann wechselt der Autor des Artikels in den Konjunktiv: Zusätzlich «liessen» sich 1100 Gigawattstunden aus Sonnenenergie erzeugen, mittels Windenergie 50 und mit Kleinwasserkraftwerken 25. Es wird auch auf das grosse Potenzial an Biomasse im «Waldkanton» verwiesen (145 Gigawattstunden).

Fazit: «Der Aargau kann die Ziele der nationalen Energiestrategie in Bezug auf die Stromproduktion erfüllen. Er gilt diesbezüglich als Modellfall für die Schweiz.»

Müsste ich bei «Dialog» Blattkritik machen, würde ich in diesem Fall monieren: ein irreführender Titel.

Denn der Aargau ist (noch?) nicht modellhaft für die Energiewende. Er hat bloss das Potenzial dazu. Für eine modellhafte Rolle müsste man den Konjunktiv bei Sonne, Wind und Biomasse in den Indikativ verwandeln können. Danach sieht es aber (noch?) nicht aus.

Der Grosse Rat hat kürzlich eine Motion der Grünen für eine CO2-freie Stromproduktion mit 94 zu 29 Stimmen abgelehnt. Es zeigte sich einmal mehr, dass die Energiewende-Skepsis im Kanton von Doris Leuthard noch recht gross ist.

Für ein Grundsatzbekenntnis sind zwar viele zu haben. Doch wenn es um die konkrete Umsetzung geht, dominiert (noch?) die Angst, die Wende sei ein zu grosses Abenteuer. Zumindest in der Politik sind die Mehrheitsverhältnisse (noch?) so. Wie sie im Volk sind, ist schwer abschätzbar.

Der Langfrist-Trend wird indessen auch im Aargau Richtung Wende-Freundlichkeit laufen. Auch hier weiss man im Grunde des Herzens: Wir können nicht länger auf AKW und auf fossile Brennstoffe setzen. Sonst gefährden wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Mit «Links» und «Rechts» hat das nichts zu tun.

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