Mundart im Chindsgi

Das Volk hat das letzte Wort

Kindergärtnerinnen, die nur Hochdeutsch, aber keine Mundart sprechen, werden ab 2018 entlassen. (Symbolbild)

Kindergärtnerinnen, die nur Hochdeutsch, aber keine Mundart sprechen, werden ab 2018 entlassen. (Symbolbild)

Kindergärtnerinnen, die ab 2018 keinen Dialekt sprechen, sollen entlassen werden. Das hat das Aargauer Parlament entschieden. Doch das Volk dürfte abschliessend entscheiden. Die Kolumne von Hans Fahrländer.

Der Grosse Rat hat wieder einmal getagt. Und unter anderem entschieden: Kindergärtnerinnen, die Hochdeutsch sprechen, werden ab 2018 entlassen. Damit vollzog der Rat Volkes Wille. Walliser, Appenzeller oder Freiburger Dialekte sind dagegen weiterhin erlaubt. Es ist wichtig, dass die Kinder zwischen dem Familieneinkauf in Waldshut und der Kindersendung im ZDF auch noch Mundart hören. Sonst geht die schweizerische Identität vor die Hunde (Achtung: Ironie).

Ebenfalls diskutiert hat das Parlament den x-ten Versuch, ein Krippengesetz zu installieren. Die Debatte wird übermorgen fortgesetzt. Braucht der Aargau ein verbindliches Gesetz über die Einführung von «bedarfsgerechten familienergänzenden Betreuungsstrukturen»? Die Frage ist immer noch nicht entschieden, nachdem der letzte Versuch an taktischen Spielchen im Parlament gescheitert ist. Der Rat hat bisher vornehmlich zwei Fragen diskutiert : «Was kostet das Ganze?» und «Darf der Kanton den Gemeinden sowas vorschreiben?»

Die Gemeinden haben es nicht gern, wenn der Kanton ihnen Aufgaben überbürdet, die ihr Budget belasten. Und man kann durchaus argumentieren: Wenn Gemeinden freiwillig auf den Standortfaktor Betreuungsstrukturen verzichten wollen, ist das ja ihre Sache. Schade ist einfach, wenn die anderen Komponenten, welche für solche Angebote sprächen, unters Eis geraten. Zum Beispiel die gesellschaftliche: Es gibt heute in allen Dörfern Familienmodelle, die von der traditionellen Vorstellung des Mittagessens zu Hause abweichen. Oder das wirtschaftliche: Gerade nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative braucht es mehr Frauen, die arbeiten, auch Mütter. Oder die pädagogische: Es ist längst erwiesen, dass vorab Kinder aus bildungsfernen Häusern enorm von solchen Betreuungsstrukturen profitieren.

Mit dem absehbaren Nein des Grossen Rates ist das Thema indes noch nicht vom Tisch: Es sind in dieser Sache auch noch Volksinitiativen hängig: Längst zustande gekommen ist «Kinder und Eltern» des Lehrerdachverbandes alv, im Sammlungsstadium befindet sich eine Initiative der CVP. Das Volk wird also auch hier das letzte Wort haben.

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