Fahrländer

Bürgerliche hauen sich

Die FDP-Parteikollegen Jauslin und Burkart haben das Heu für einmal nicht auf der gleichen Bühne.

Die FDP-Parteikollegen Jauslin und Burkart haben das Heu für einmal nicht auf der gleichen Bühne.

Der neue Finanzausgleich zwischen Kanton und Gemeinden ist für uns Normalbürger schwer verdaubare Kost. Nicht alles in der Politik ist halt in leicht verdauliche Häppchen zu schneiden. Doch endlich gibt es auch für uns Normalbürger etwas zum Drauskommen: Zoff im bürgerlichen Lager! 1. Akt: Gewerbeverbandspräsident Kurt Schmid schreibt im Verbandsorgan eine harsche Nein-Empfehlung mit zugespitztem Titel zum Finanzausgleich. 2. Akt: FDP-Präsident Matthias Jauslin nervt sich darob gewaltig und nennt ein Schmid-Argument eine «Frechheit». 3. Akt: FDP-Neu-Nationalrat Thierry Burkart bezeichnet die Argumentation von FDP-Neu-Nationalrat Jauslin als «nachweislich falsch und unzulässig».

Ist solch öffentlich ausgetragener Zoff unter Brüdern schlimm? Einerseits nein. Der neue Finanzausgleich führt halt zu teils ungewohnten Lager-Bildungen abseits der Parteigrenzen, denn das Herz jedes Kantonspolitikers schlägt auch für (s)eine Gemeinde. Und der Finanzausgleich generiert unter den Gemeinden eben Gewinner und Verlierer. Anderseits ja. Denn gerade bei dornenvoller Materie hätten die Parteien eine Leitfunktion für uns, das gemeine Volk. Komplizierte Vorlagen verunsichern uns schon genug – und was, bitte, sollen wir nun von diesem Finanzausgleich halten, wenn wegen ihm sogar Parteigenossen aufeinander einprügeln? Besser wäre gewesen: parteiintern durchaus deftig zu streiten – doch wenn es an die Öffentlichkeit geht, dann bitte die Gräben zuschütten und einig auftreten. Gerade die FDP als jüngst wieder wachsendes Pflänzchen muss sich bewusst sein: Frostige interne Keilereien können das zarte Wachstum gefährden.

Übrigens: FDP-Präsident Matthias Jauslin hatte am Mittwoch einen kurzen Auftritt vor dem Schweizer Fernseh-Volk. In einem «Rundschau»-Beitrag über «Flüchtlings-Schreck» Andreas Glarner, den neuen Migrationsexperten der SVP-Parteileitung, fragte der Journalist den FDP-Mann: Ob er sich vorstellen könne, dass seine Partei in der Flüchtlingspolitik mit der SVP paktiere? Drei kurze Fragen, drei noch kürzere Antworten, kein Abwägen, kein schadensbegrenzendes Einerseits-Anderseits, kein Politiker-Schwadronieren, sondern eine glasklare Antwort: Nein! Das war stark, Herr Jauslin. Wenn alle Freisinnigen sich so klar abgrenzend profilieren, braucht man sich um das weitere Wachstum der FDP nicht zu sorgen.

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