Weihnachten abgeschafft
Uruguays Atheisten setzen sich durch: Statt Jesus und Maria wird jetzt dem Strand gehuldigt

Das lateinamerikanische Land feiert am 24. Dezember den «Tag der Familie». Statt Jesus und Maria huldigt man hier zudem lieber dem Strand.

Camilla Landbø
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Statt Weihnachten feiert man in Uruguay den «Tag der Familie» - gerne mit Grillparties und Strandfeten.

Statt Weihnachten feiert man in Uruguay den «Tag der Familie» - gerne mit Grillparties und Strandfeten.

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Weihnachten in Uruguay? Fehlanzeige. Das kleine Küstenland mit den vielen Badeorten ist das erste Land Lateinamerikas, das den Heiligen Abend faktisch abgeschafft hat. Die Nacht auf den 25. Dezember feiert man hier zwar noch. Doch statt besinnlich geht es laut und knallig zu und her.

Religion gilt im 3,5-Millionen-Staat strikt als Privatsache. Deshalb hat das Land nicht nur Kruzifixe und Heiligenbilder fast gänzlich aus dem öffentlichen Raum verbannt, sondern auch die religiösen Feiertage aus der staatlichen Agenda gestrichen respektive umbenannt. Das katholische Fest Maria Empfängnis feiern die Uruguayer als «Tag des Strandes». An Ostern feiert man die «Woche des Tourismus», in der sich möglichst alle eine Reise gönnen. Und im Januar essen die Uruguayer den Dreikönigskuchen am «Tag der Kinder». Das Weihnachtsfest ist ganz einfach der «Tag der Familie».

So viele Ungläubige wie in der Schweiz

Bei Temperaturen um die 30 Grad sieht man zwar hie und da geschmückte Tannen und Lichterketten. Und auch der weissbärtige Samichlaus treibt sich in den Einkaufszentren herum. «Ansonsten aber hat das christliche Fest hier wenig mit jener Weihnacht zu tun, wie man sie in Europa kennt», erklärt die Uruguayerin Maria Urruzola.

«In Uruguay ist es kaum noch eine religiöse Andacht, sondern ein grosses Fest. Wir haben Hochsommer und grillieren, traditionellerweise Lamm.»

Und um Mitternacht knallen die Korken.

Kirche und Staat wurden hier schon vor mehr als 100 Jahren getrennt. In keinem anderen Land Lateinamerikas ist der Anteil an Atheisten höher als im laizistischen Uruguay. Jeder Zehnte bezeichnet sich hier als Ungläubigen – etwa gleich viele wie in der Schweiz. Gar jeder Dritte gehört keiner Religion mehr an.

Als Uruguay den Kirchen die Friedhöfe entriss

In den vergangenen Jahren hat sich der kleine Staat gegenüber religiösen Manifestationen jedoch wieder leicht geöffnet. In der uruguayischen Hauptstadt Montevideo findet sich mittlerweile ein 30 Meter hohes Kreuz, ein Konfuzius-Denkmal und sogar ein Monument des afrobrasilianischen Umbanda-Kults.

Uruguay unterscheidet sich stark von anderen Ländern auf dem katholischen Kontinent. Die Debatten über die Trennung von Kirche und Staat begannen in Uruguay bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts – angeführt von antiklerikalen Liberalen, beeinflusst von den Ideen der Aufklärung. In jenen Jahren verstaatlichte Uruguay die kirchlich geleiteten Friedhöfe, führte die standesamtliche Trauung ein und sogar die Ehescheidung. 1917 wurden dann Kirche und Staat in der Verfassung definitiv voneinander getrennt. Zwei Jahre später schafften die Uruguayer Weihnachten ab. Ihrem Beispiel ist bis heute kein anderes Land der Region gefolgt.