US-Wahlen
Von den Khans zum Mann im roten Pulli – die besonderen Momente des Wahlkampfs

Monate eines erbittert geführten Wahlkampfes sind vorüber. Der Republikaner Donald Trump und die Demokratin Hillary Clinton wappnen sich für den Tag der Entscheidung. Zurück liegen auch Momente voller starker Bilder. Welche werden bleiben?

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Sie führten einen erbitterten Wahlkampf: Hillary Clinton und Donald Trump.

Sie führten einen erbitterten Wahlkampf: Hillary Clinton und Donald Trump.

Keystone

Die Trauer der Khans

Es war der letzte Tag des Parteitags der Demokraten, eigentlich sollte die Rede von Hillary Clinton alles überstrahlen. Aber dann redeten alle über sie: Khizr und Ghazala Khan, die Eltern eines toten muslimischen US-Soldaten.

Khans Rede war ein Tribut an den gefallenen Sohn und eine mächtige Anklage gegen Trump. Er fragte den Republikaner von der Bühne aus, ob er die Verfassung gelesen habe, er hielt sein eigenes Exemplar in die Höhe.

"Donald Trump verunglimpft den Charakter von Muslimen ständig", sagte er. Der Republikaner solle nur mal nach Arlington gehen, sich auf dem Friedhof die Grabsteine der Soldaten anschauen - es seien die Gräber von Menschen aller Ethnien und Glaubensrichtungen. Trump habe "bisher nichts und niemanden geopfert".

Der Kandidat reagierte dünnhäutig und beleidigte das Ehepaar in Interviews. Demokraten, Veteranen und selbst Republikaner zeigten sich entsetzt von seinen Attacken.

Clinton verliert den Halt

Über Wochen streuten Trump und andere Republikaner Gerüchte, Clinton sei in Wirklichkeit zu krank für das mächtigste Amt der Welt. Als bei der Demokratin dann an einem Septemberwochenende eine Lungenentzündung diagnostiziert wurde, war das Echo verheerend und die Schlagzeilen waren negativ.

Vielleicht wäre das Thema nie so hochgekocht, hätte es keine Videobilder davon gegeben, wie sie eine Gedenkfeier für die Anschläge vom 11. September 2001 frühzeitig hatte verlassen müssen.

Die Amateuraufnahmen zeigen, wie Clinton von einer Frau gestützt werden muss. Sie kann sich offensichtlich nicht mehr selbst halten und sackt weg. Weitere Mitarbeiter eilen ihr zu Hilfe und setzen sie in einen schwarzen Van. Es war ein Moment der Schwäche, der ihr sehr angelastet wurde.

Das weinende Baby

Trump improvisiert in Reden immer wieder, fügt hinzu, was ihm gerade in den Sinn kommt. Das führt nicht selten zu skurrilen Momenten, vielleicht ereignete sich der bizarrste im August in Asheville.

Trump sprach gerade über China, als im Publikum ein Kleinkind zu weinen begann. "Ich liebe Babys", sagte er. Das Kind schrie weiter. Trump erklärte daraufhin: "Ich habe eigentlich nur Spass gemacht. Schafft das Baby raus."

Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich ein Video des Vorfalls weltweit. Die Empörung war gross. Wie sich später herausstellte, hatte er Mutter und Kind in Wirklichkeit gar nicht rauswerfen lassen.

Die First Lady hat genug

Ein altes Video entlarvte Trump Anfang Oktober als Playboy und Sexisten, das halbe Land war entsetzt, in Scharen distanzierten sich Mitglieder seiner eigenen Partei von ihm, Hillary Clinton zeigte sich angewidert.

Aber es war die First Lady, die alle in den Schatten stellte: Michelle Obama fand bei einem Wahlkampfauftritt klare und deutliche Worte, um Trump zu verurteilen. Dessen Kommentare hätten sie im Mark erschüttert, sagte Obama. Sie seien schändlich.

"Unsere Mütter und Grossmütter waren oft machtlos, wenn sie ihre Lebensumstände verändern wollten. Heute haben wir Frauen alle Macht, das Ergebnis dieser Wahl zu bestimmen."

Kommentatoren erklärten sie daraufhin zu besseren Kandidatin, Medien spekulierten munter darüber, ob Obama 2020 oder 2024 möglicherweise selbst in den Wahlkampf ziehen will. Vielleicht ist sie sich dafür aber zu schade.

Der rote Pullover

Die zweite Fernsehdebatte zwischen Clinton und Trump wurde zur Schlammschlacht, vielleicht schaffte es ein Mann im Publikum deshalb, mit einer nüchternen, sachlichen Frage zum heimlichen Star zu werden. Ken Bone wollte von den Kandidaten etwas zu ihrer Energiepolitik wissen, am nächsten Tag sprachen alle über den Mann im roten Pullover.

Unzählige Kommentare, Foto-Montagen und Videos feierten den 34-jährige Brillen- und Schnauzbartträger wegen seines liebenswerten Aussehens. Allerdings lernte Amerika auch schnell eine andere Seite kennen. Reporter hatten alte Internetkommentare von Bone ausgegraben, in denen sich dieser über sein Sexleben erging und Bilder von spärlich bekleideten Frauen kommentierte.