Vatikan
Geht der Papst in Rente? In Rom wird wegen Franziskus’ Gesundheit über seinen Rücktritt spekuliert

Drei Päpste wären wohl zu viel des Guten: Bald soll es Regeln für die Pensionierungen von katholischen Kirchenoberhäuptern geben.

Dominik Straub, Rom
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Nach Spitalaufenthalt erholt: Papst Franziskus.

Nach Spitalaufenthalt erholt: Papst Franziskus.

Vatican Media Handout / EPA

«Ein neues Konklave liegt in der Luft: Papst Franziskus ist bereit, wegen seiner Krankheit zurückzutreten», schrieb die italienische Zeitung «Libero» Anfang dieser Woche. Seither reissen in Rom die Berichte über einen möglicherweise bevorstehenden Amtsverzicht von Franziskus nicht mehr ab. Hintergrund der Spekulationen ist die entzündliche Darmerkrankung des Papstes, die am 4. Juli die operative Entfernung eines Teil des Dickdarms erforderlich machte.

Der Aufenthalt des Papstes in der Römer Gemelli-Klinik dauerte länger als geplant - zehn statt wie zunächst geplant sieben Tage. In den Berichten wird auch immer wieder das Alter des Papstes herausgestrichen: Am 17. Dezember wird Franziskus 85 Jahre alt. In dem gleichen Alter war sein Vorgänger Benedikt XVI. im Februar 2013 zurückgetreten.

Franziskus ist wohlauf und «töggelet»

Der Vatikan hat die Berichte bisher weder bestätigt noch dementiert, wie es in solchen Fällen üblich ist. Sehr überzeugend wirken die Spekulationen nicht: Papst Franziskus hat sich von der Operation gut erholt, nach der Generalaudienz vor einer Woche hat er mit einem jungen Mann lachend eine Partie Tischfussball gespielt.

Die nächste päpstliche Reise nach Budapest und in die Slowakei wurde bestätigt, das Programm veröffentlicht. Letztlich war bei den Berichten über den angeblich bevorstehenden baldigen Rücktritt des Papstes wohl der Wunsch Vater des Gedankens gewesen: Bei «Libero» und den anderen Zeitungen, die darüber schrieben, handelt es sich um rechtsnationale, konservative Blätter, denen Franziskus zu links, zu grün und in Fragen der Sexualmoral zu wenig doktrinär ist. Sie haben sich schon lange auf den argentinischen Papst eingeschossen.

Luis Badilla Morales, Direktor des Vatikan-nahen Nachrichtenportals «Il Sismografo», schliesst einen baldigen Rücktritt des Papstes aus: «Darüber wird innerhalb des Vatikans derzeit nicht geredet, und ich glaube, auch Franziskus selber hat noch nie ernsthaft über diese Möglichkeit nachgedacht», betont der Vatikan-Spezialist.

Aber die Frage, wie die katholische Kirche künftig mit Papst-Rücktritten umgehen wird, stehe durchaus im Raum: «Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass Papst Franziskus in den nächsten Wochen ein neues Gesetz in Form einer Apostolischen Konstitution vorstellen wird, in welchem diese Situation geregelt wird», betont Badilla Morales. Nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. habe Franziskus diesbezüglich «improvisieren» müssen.

Eine längst überfällige Entscheidung

Eine Art «Pensionierungs-Reglement» für Päpste wäre in der Tat überfällig - unabhängig davon, ob Franziskus nun selber mit einem Rücktritt liebäugelt oder nicht. Denn der Status eines Papstes, der auf sein Amt verzichtet, ist bis heute nicht klar.

Benedikt XVI. trägt seit seinem Rücktritt am 28. Februar 2013 inoffiziell den Titel «Papa emeritus» («emeritierter Papst»), wohnt in einem Kloster im Vatikan und kleidet sich weiterhin mit der weissen Soutane des Kirchenoberhaupts. Auch seinen Papstnamen hat er beibehalten. «Dies hat in der Vergangenheit immer wieder zu Debatten über den Status Benedikts geführt und Spekulationen über die Existenz zweier Päpste genährt», schreibt das Portal «katholisch.de». Auch die Gefahr eines möglichen «Gegen-Papstes» oder eines Schismas (Kirchenspaltung) wurde mitunter heraufbeschworen.

Drei Päpste wären des Guten wohl zu viel

Eine Rollenklärung tut also not. Und im Grunde gäbe es eine naheliegende Lösung. «In Wirklichkeit ist Benedikt XVI. ein emeritierter Bischof», stellte der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, schon vor Jahren klar. Immerhin ist der Papst auch gleichzeitig der Bischof von Rom.

Jedenfalls müsse sichergestellt werden, dass jeglicher Eindruck eines «zweiköpfigen Papstamtes» vermieden werde, betonte 2016 auch Kardinal Walter Brandmüller, der ehemalige Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft. Brandmüllers Vorschlag: Der Zurückgetretene solle seinen Familiennamen wieder führen, auch Kleidung und Wohnsitz müssten geregelt werden.

Fest steht jedenfalls: Zumindest in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit hat die katholische Kirche seit 2013 zwei Päpste: den offiziellen Amtsinhaber Franziskus und den emeritierten Papst Benedikt. Sollte Franziskus irgendwann wie Benedikt zum Schluss gelangen, dass er den Anforderungen des Papstamtes aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gewachsen sei und deshalb zurücktreten, dann wären es ohne neue Regelung schon drei Päpste. Und das wäre sicherlich des Guten zu viel.

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