Internationaler Frauentag
UNO-Resolution 1325: Ohne Frauen kein Frieden

Am 100. Jahrestag der Frauen wird auch an die UNO-Resolution «Frauen, Frieden und Sicherheit» erinnert.

Christian Nünlist
Merken
Drucken
Teilen
Einsatz für den Frieden: Eine italienische Soldatin verteilt im afghanischen Herat Kindern, die auf eine medizinische Behandlung warten, Spielzeug. Laura Lezza/Getty Images

Einsatz für den Frieden: Eine italienische Soldatin verteilt im afghanischen Herat Kindern, die auf eine medizinische Behandlung warten, Spielzeug. Laura Lezza/Getty Images

Als vor 100 Jahren der erste Internationale Frauentag stattfand, gehörte die Schweiz weltweit zu den Pionieren: Am 19. März 1911 wurde in Deutschland, Österreich-Ungarn, Dänemark und der Schweiz ein internationaler Kampftag gefeiert und das Frauenwahlrecht gefordert. Die Idee stammte aus den USA. Dort war der erste nationale Frauentag 1909 ein voller Erfolg gewesen. Am 8. März 1917 (23. Februar im russischen Kalender) lösten Frauen in Sankt Petersburg die Februarrevolution aus.

Zur Ehre wurde 1921 der 8. März als Internationaler Frauentag eingeführt. Im Kalten Krieg litt der Gedenktag im Westen an dieser sozialistischen Entstehungsgeschichte. Erst 1975, im Internationalen Jahr der Frau, richtete die UNO am 8. März eine Feier aus. Heute ist der 8. März in 26 Ländern, darunter Russland, ein gesetzlicher Feiertag. In China haben die Frauen am Nachmittag frei.

«Feigenblatt eines Symboltages»

Doch es gibt auch kritische Stimmen. EU-Kommissarin Viviane Reding wandte sich 2008 gegen «das Feigenblatt eines symbolhaften Tages» und argumentierte: «Solange wir einen Frauentag feiern müssen, haben wir keine Gleichberechtigung. Das Ziel ist aber die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.» Vor einem Jahr plädierte Alice Schwarzer dafür, den Frauentag komplett zu streichen: «Machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.»

2011 gibt es jedoch einen speziellen Grund, den Frauentag zu feiern: Denn gleichzeitig mit dem 100. Geburtstag des Internationalen Frauentages ist der 8. März auch der perfekte Anlass, um an einen von der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Meilenstein für die Frauen zu erinnern, der vor etwas mehr als 10 Jahren erreicht wurde: Am 31. Oktober 2000 verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat die völkerrechtlich verbindliche Resolution 1325 «Frauen, Frieden und Sicherheit». Und zwar einstimmig.

Zum ersten Mal anerkannte der Sicherheitsrat damit die unterschiedlichen Erfahrungen von Frauen im Kontext von Krieg und Frieden: Die Auswirkungen kriegerischer Handlungen sind für Frauen zum Teil anders als für Männer. Und Frauen haben auch eine andere Sichtweise auf Konfliktbewältigung und Friedensarbeit. Resolution 1325 verlangt die gleichberechtigte Teilnahme von Frauen und die Integration einer Gender-Perspektive in allen friedens- und sicherheitspolitischen Initiativen.

Fortan sollten Frauen in Krisengebieten «Friedensmanagerinnen» werden. Die Anzahl von Frauen sollte in Friedensmissionen vor Ort ausgebaut werden, unter Militärbeobachtern, ziviler Polizei, Menschenrechts- und humanitären Aktivisten. Die UNO und ihre Mitgliedsstaaten verpflichteten sich, Frauen in Konfliktzonen besonders zu schützen und ihre Partizipation in Friedensprozessen zu garantieren.

Düstere Bilanz der Resolution 1325

10 Jahre später fällt die Bilanz von «1325» jedoch ziemlich düster aus. Nur gerade magere acht Prozent der Verhandelnden in Kriegsgebieten sind Frauen, sagt eine aktuelle UNO-Studie. Die Resolution 1325 schreibt hingegen vor, dass Frauen bei «Verhütung, Bewältigung und Beilegung von Konflikten auf allen Entscheidungsebenen» vertreten sein müssen.

Den hehren Worten sind bislang zu wenige Taten gefolgt. Krieg bleibt eine Männersache. Frauen kämpfen gegen eine Hürde an, die am besten vom US-Komödianten Groucho Marx illustriert wird, der einmal sagte: «Ma’am, ich würde ihnen meinen Sitz ja geben, wenn ich nicht selbst darauf sitzen würde.»

Was tut eigentlich die Schweiz? Der nationale Aktionsplan

«Friede» ist nicht Abwesenheit von Krieg, sondern eine ideale Situation, in der die Grundrechte des Individuums und die Menschenrechte überhaupt respektiert werden. Oder anders: «Ein nachhaltiger Friede ist nur dort möglich, wo die Bedürfnisse aller Mitglieder der Gesellschaft gewahrt sind», sagt Carmela Bühler, von der Genderstabstelle PA IV des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Was tut die Schweiz, damit mehr Frauen bei der Konfliktlösung und Friedensförderung dabei sind? 2007 wurde der Nationale Aktionsplan 1325 (NAP1325) verabschiedet. Im Oktober 2010 hat der Bundesrat die revidierte Fassung zur Kenntnis genommen (www.eda.admin.ch/nap1325). Allgemeines Ziel bleibt, die Zahl der Frauen bei Friedensprozessen aller Art zu erhöhen. Die konkrete Umsetzung ist allerdings Knochenarbeit. Es gibt international so viele Gremien, die daran arbeiten, so viele Dokumente, die zur Problematik verfasst werden.

In der Schweiz sind 0,5Prozent der Armeeangehörigen Frauen. Bei den Friedensmissionen beträgt der Anteil immerhin schon 5 bis 6Prozent. Die Zahlen bei der UNO-Abteilung für friedenserhaltende Massnahmen sind ähnlich prekär: 2,7Prozent des militärischen Personals sind Frauen, 7Prozent Polizistinnen und rund 30Prozent ziviles Personal.

Juristisch wurden international im Bereich genderbasierte Gewalt bereits klare Fortschritte erzielt. Man hat erkannt, dass zum Beispiel Vergewaltigungen in Kriegen systematischen Charakter haben und sie deshalb als Komponente zum Genozid oder als Verbrechen gegen die Menschlichkeit taxiert werden müssen. Um wirksam gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen vorgehen zu können, sind Frauen beim Interventions- und Ermittlungspersonal unabdingbar.

Grundlegende Gleichheitsbedingungen müssen allerdings auch erfüllt sein: Ohne Ausbildung und politische Rechte ist keine Partizipation möglich. In Nepal wurden deshalb von der Schweiz Frauenkurse in Mediation und Verhandlungsmethodik angeboten. (chb)