Grossbritannien
Schon wieder Vergewaltigung durch Londoner Polizisten: Die britische Polizei ist in der Krise

Boris Johnson will jetzt Anteil an Polizistinnen erhöhen. Seinen Kritikern reicht das nicht.

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Mit Blumen und Plakaten wird in London an die Ermordung von Sarah Everard gedacht. Ihr Mörder wurde zu lebenslanger Haft und anschliessender Verwahrung verurteilt.

Mit Blumen und Plakaten wird in London an die Ermordung von Sarah Everard gedacht. Ihr Mörder wurde zu lebenslanger Haft und anschliessender Verwahrung verurteilt.

Getty

Wenige Tage nach dem Urteil gegen den Mörder der Londonerin Sarah Everard ist ein Kollege des Polizisten wegen Vergewaltigung angeklagt worden. Der Fall soll sich am 4. September 2020 in der Stadt St. Albans nordwestlich von London ereignet haben. Der 46-Jährige wurde am Montag in Untersuchungshaft genommen. Er arbeitete zuletzt in derselben Abteilung wie der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder von Everard. Beide waren für den Schutz des Parlaments und diplomatischer Gebäude in London zuständig.

Premierminister Boris Johnson forderte eine Veränderung in der Polizeikultur. Nötig seien zudem mehr Videoüberwachung und Strassenbeleuchtungen sowie mehr weibliche Polizistinnen. Derzeit sind rund 31 Prozent des Polizeikorps Frauen. Am Wochenende hatte Johnson der Polizei vorgeworfen, Gewalt gegen Frauen nicht ernst genug zu nehmen. Eine unabhängige Untersuchung zu dem Mord an Everard lehnte der Premier jedoch ab.

Frauenfeindliche Kultur bei der Polizei

Die Londoner Polizei kündigte eine Untersuchung an, die sowohl die interne Kultur als auch die professionellen Standards zur Ausbildung unter die Lupe nehmen soll.

Sarah Everard war im März entführt, vergewaltigt und ermordet worden. Der Täter hatte sie wegen eines angeblichen Verstosses gegen die Corona-Regeln zum Schein festgenommen. Kritiker hatten nach dem Mord an Everard eine frauenfeindliche Kultur innerhalb der Polizei angeprangert. (dpa)

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