Scholz ist seinem Ziel einen Schritt näher

Die SPD, die FDP und die Grünen verkünden den Durchbruch. Bald sei «Ampel»-Time.

Cornelie Barthelme, Berlin
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Wollte man in der Haut von Christian Lindner stecken an diesem Freitag? Oder doch lieber in der von Olaf Scholz? Beide treten sie vorne auf die Bühne. Eigentlich liegen sie ja durchaus weit auseinanderliegen. Doch an diesem Nachmittag stehen Lindner und Scholz nahe beieinander im Foyer des «Hub27» – einem Berliner Ort, der aussieht wie er heisst. Multifunktionshalle. Was zum Anlass passt wie gemacht. Man kann sich alles Mögliche vorstellen. Alles Unmögliche allerdings auch.

Vorne stehen die Politikerinnen der Grünen, der SPD und der FDP, die gleich verkünden werden, dass man nach Tagen intensiver Gespräche ab Montag ganz offiziell die Verhandlungen für eine «Ampel»-Koalition starten werde. Alle werden von der Pressesprecherin vorgestellt; das Bemühen, nur ja niemanden wichtiger er-scheinen zu lassen oder gar am wichtigsten, ist auffallend.

Fest steht: Olaf Scholz wird Kanzler werden, falls SPD, Grüne und FDP sich auf ein gemeinsames Regierungsprogramm einigen. Fest steht auch, dass die Grünen und die FDP unbedingt endlich wieder regieren wollen. Noch nicht fest steht, ob es dann zwei Vizekanzler geben wird. Oder einen Vizekanzler und eine Vizekanzlerin.

Nein, nein, sagt Scholz irgend-wann, Personal sei ja überhaupt gar kein Thema jetzt. Und die Kanzlerwahl? «Noch vor Weihnachten», glaubt Scholz.

Es ist der mit Abstand konkreteste Satz, der bei diesem Auftritt gesagt wird. Immerhin. Der Rest ist eine Mischung von sehr wenig Fakten und sehr viel Schwärmerei.

Kein Tempolimit, dafür einen Mindestlohn

Dabei wird, nahezu wortgleich, erst einmal Gewesenes verdammt. Dann wird Gegenwärtiges gewürdigt – alle reden davon, wie man durch «vertrauensvolle Gespräche» zu grossem «Vertrauen» gelangt sei.

Und schliesslich wird eine leuchtende Zukunft verheissen. «Hier ist ein Aufbruch möglich», sagt Olaf Scholz. «Reform- und Fortschrittskoalition» sagt Annalena Baerbock. «Zäsur in der politischen Kultur Deutschlands», sagt Christian Lindner «und spricht von einem «neuen sozial-ökologischen Ordnungsrahmen der Marktwirtschaft». «Glutkern», sagt Grünen-Co-Chef Robert Habeck: «Dynamik, die Hoffnung macht, dass Grosses geleistet werden kann».

Selbstverständlich wissen diese so unterschiedlichen Parteien, dass das noch hart werden wird die kommenden Wochen. Die ersten Träume sind ja schon zerplatzt. Die Grünen kriegen kein Tempolimit, die FDP muss den Mindestlohn schlucken, die SPD hat sich die Vermögenssteuer abgeschminkt.

Robert Habeck

Christian Lindner

Annalena Baerbock

olaf scholz

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