Maxwell-Prozess
Die britischen Royals erleben einen Horror-Advent – vor allem wegen ihm: Prinz Andrew

Beim Prozess gegen die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell ist Prinz Andrew allgegenwärtig. Und der schlimmste Part steht noch bevor.

Sebastian Borger, London
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Keine besinnlichen Tage für die Queen und Prinz Andrew.

Keine besinnlichen Tage für die Queen und Prinz Andrew.

Eigentlich geht es vor dem Geschworenengericht in Manhattan um die dunkle Vergangenheit einer High-Society-Dame. Aber keine Aussage im Prozess gegen Ghislaine Maxwell vergeht, ohne dass ein alter Freund der Angeklagten genannt wird.

«Ist Ihnen Prinz Andrew, der Herzog von York, ein Begriff?»

lautet die Frage der Anklägerin. Natürlich, antworten die Zeugen, erinnern sich an persönliche Begegnungen mit dem britischen Royal und rücken den Lieblingssohn von Elizabeth II damit täglich in die Nähe schlimmer Sexualverbrechen.

Wohlgemerkt in die Nähe. Sowohl der Achte der britischen Thronfolge, 61, wie seine frühere Flamme Maxwell, 59, beteuern ihre Unschuld: Sie hätten von den Sexualstraftaten des mittlerweile verstorbenen New Yorker Finanzjongleurs Jeffrey Epstein nichts gewusst.

Gerichtszeichnung von Ghislaine Maxwell: Enge Verbindungen zu Prinz Andrew.

Gerichtszeichnung von Ghislaine Maxwell: Enge Verbindungen zu Prinz Andrew.

Elizabeth Williams / AP

Für die Tochter des früheren britischen Zeitungszaren Robert Maxwell steht die Freiheit auf dem Spiel: Sie muss sich wegen Beihilfe zu Epsteins Sexualverbrechen gegen minderjährige Mädchen, die jüngsten gerade erst 14 Jahre alt, verantworten.

Seine Reputation hat der Ex-Playboy längst eingebüsst

Kommt es in den sechs Einzeldelikten zu einer Verurteilung, würde die seit 16 Monaten in Untersuchungshaft sitzende Maxwell für bis zu 35 Jahre hinter Gittern verschwinden. Zusätzlich wartet auf sie noch ein Verfahren wegen Meineids. Für den Herzog geht es jedenfalls nicht um seine Reputation.

Diese hat der einstige Playboy-Prinz durch seine langjährige Freundschaft mit Epstein und seine lachhaften Äusserungen dazu («ich habe die Tendenz, besonders ehrenhaft zu sein») gründlich verspielt. In der Öffentlichkeit wird er bestenfalls noch als «unbesonnener, arroganter Trottel» wahrgenommen, wie es in der «Times» hiess.

Ghislaine Maxwell im Jahr 2013.

Ghislaine Maxwell im Jahr 2013.

Rick Bajornas / AP

Der Institution freilich, der Andrew sein privilegiertes Leben verdankt, fügt jede neue Erwähnung seiner Epstein-Verbindung neuen Rufschaden zu. Dabei hat der Advent ohnehin wenig erfreulich begonnen für die Queen und ihren Clan. Zu Wochenbeginn kappte die Karibikinsel Barbados ihre vorletzte Verbindung zur alten Kolonialmacht: Statt der Monarchin im fernen London dient nun eine Präsidentin den knapp 300000 Inselbewohnern als Staatsoberhaupt.

Auch Kanada will jetzt Republik sein

Tapfer wohnte Thronfolger Charles der festlichen Zeremonie bei, sprach von bleibenden Verbindungen, aber auch vom kolonialen Erbe der Sklaverei, «die auf immer unsere Geschichte beschmutzt». Immerhin will Barbados im 54 Mitglieder zählenden Club britischer Ex-Kolonien bleiben, was den zukünftigen Chef des Commonwealth freuen wird. Dass er die Rolle als Staatsoberhaupt nur mehr in 15 Staaten der Welt erbt, muss den 73-Jährigen mit Besorgnis erfüllen.

Zumal auch andere, deutlich wichtigere Länder Absetzbewegungen erkennen lassen. Erstmals erbrachte eine Umfrage im bisher so royalistischen Kanada eine Mehrheit für die Verwandlung in eine Republik. Ähnlich sieht es in Australien aus. Im Falle Neuseelands sehen Beobachter lediglich noch den Respekt vor der Lebensleistung der mittlerweile 95-Jährigen Queen als Hindernis für die endgültige Ablösung von London an.

Schon bald sagt Virginia Giuffre aus

Und für die Royals dürfte es noch unangenehmer kommen. Der Grund: Prinz Andrew und der New Yorker Prozess. Denn bald dürfte auch jenes Epstein-Opfer aussagen, das den Royal schwer belastet. Virginia Giuffre hat in einer Zivilklage Andrew beschuldigt, er habe sie, damals noch minderjährig, vor zwanzig Jahren mehrfach sexuell missbraucht.

Der Herzog hat stets beteuert, an den Vorwürfen sei nichts dran:

«Ich habe keinerlei Erinnerung an ein Treffen mit dieser Lady.»

Ein Foto, das die beiden gemeinsam zeigt, bezeichnete er als Fälschung.

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