Kurioser Trend
In Japan kann man sich jetzt dicke Menschen mieten – für alles Mögliche

Der Service gibt vor, das schlechte Bild der Übergewichtigen korrigieren zu wollen. Dahinter aber steht ein fragwürdiger Trend.

Angela Köhler
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17 Franken kostet die Stunde mit den dicken Japanern.

17 Franken kostet die Stunde mit den dicken Japanern.

Bild: Debucari

Es ist der neuste Service auf dem äusserst bizarren Gesellschaftsmarkt in Japan: Ab sofort können sich die Japaner per Mausklick dicke Menschen mieten. Privat und natürlich kommerziell, für eine Stunde, einen ganzen Tag oder länger, für sich selbst als Begleitung oder zur Unterhaltung oder auch als Geschenk für irgendeinen Verwandten oder eine Freundin. Die private Stunde kostet 2000 Yen, umgerechnet rund 17 Franken. «Debucari» heisst der neue Dienst. Der Name ist ein Wortspiel aus dem japanischen Begriff «debu», fett, und «kariro», mieten. Der Anbieter des neuen Mietservices ist vom Fach: Er betreibt ein Plus-Size-Herrenbekleidungsgeschäft.

Die zur Auswahl stehenden Personen bringen alle mindestens 100 Kilogramm auf die Waage, es stehen aber auch Superschwergewichtler höherer Kategorien zur Verfügung. Neben männlichen und weiblichen Schwergewichten kann man entsprechend dem auch in Japan in der Moderne angekommenen Geschlechterdiskurs ausserdem «diverse» Menschen mieten. In einem Überblick über das Angebot grinsen alle Debucari-Protagonisten um die Wette und um die Gunst ihrer potenziellen Kunden.

Humanistische Gründe und schlechte Witze

Die Agentur betont, dass ihr Service weder ein Escort- und schon gar kein Erotikdienst sei. Man möchte schlicht Menschen helfen, die einsam sind und gern eine knuddelige Gesellschaft wünschen.

Debucari nimmt sogar für sich in Anspruch, aus uneigennützigen und humanistischen Gründen zu arbeiten. Man möchte das Image dicker Menschen positiv verändern und der Gesellschaft, die oft ablehnend auf Übergewichtige reagiere, vermitteln, dass auch die etwas schwereren Zeitgenossen liebenswerte Menschen mit ganz normalen Interessen und Verhaltensweisen sind, sagt der Mietservice-Anbieter.

Die Werbetexte lassen diesen aufklärerischen Ansatz dann allerdings vermissen. Die Agentur schreibt etwa belustigend, dass es in Japan aufgrund der normalen Essgewohnheiten schon eines gewissen «Geschicks» bedürfe, auf ein Gewicht von über 100 Kilogramm zu kommen. Daneben steht der Hinweis, dass sich das Mieten eines dicken Menschen nur schon deshalb lohne, weil man auf Fotos neben ihnen viel schlanker aussehe.

Das Geschäft mit falschen Freundinnen blüht

Gemietet werden können die Gewichtigen aber nicht nur für Fotoshootings, Modeschauen oder Auftritte im Film oder im Fernsehen, sondern auch für Spaziergänge, Karaokeabende oder Restaurantbesuche. Man kann den Service auch dazu nutzen, um passende Geschenke für übergewichtige Kollegen, Verwandte oder Freunde zu suchen. Auf einer Website suchen sich Kunden aus, wer ihnen am besten für den jeweiligen Zweck gefällt.

In Japan blüht das kommerzielle Geschäft mit der Einsamkeit und der Vorspiegelung falscher Tatsachen seit Jahren. Die Vermietung von Menschen ist dabei nichts Neues und weit verbreitet. Wer einsam ist oder anderen etwas vorspielen möchte, leiht sich eine Freundin, einen Onkel, eine Schwester, einen Ehemann oder sogar eine ganze Familie aus.

Auch für verschiedene Hobbys oder Freizeitbeschäftigungen gibt es zahlreiche Offerten. Zu den jüngeren und sehr gefragten Angeboten gehört ein Mann, den man fürs «Nichts-tun» anheuern kann.

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