Kommentar
Höchste Inflation seit 30 Jahren: In der Schweiz wird das Problem des Kaufkraftverlusts sträflich unterschätzt

Die Teuerung ist in der Schweiz auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten geklettert: Plus 3,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Und die Reaktion? Schulterzucken. Das kann nicht sein.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Der Nach-Corona-Boom und der Krieg in der Ukraine verleihen der Teuerung Schub.

Der Nach-Corona-Boom und der Krieg in der Ukraine verleihen der Teuerung Schub.

Bild: Getty

Grosse Wellen haben die neusten Inflationszahlen nicht geworfen - reflexartig hiess es: Das ist okay, in der EU und in Amerika beträgt die Inflation über 8 Prozent. Was sind da schon 3,4 Prozent?

Ja, wir sind hierzulande privilegiert – dank des starken Frankens, der die Importpreise dämpft, und dank der vergleichsweise geringen Abhängigkeit von Öl, Gas und Benzin.

Trotzdem: Die Nationalbank und die Politik dürfen die Teuerung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Dass die Preise im Ausland stärker steigen, ist kein Trost für Konsumentinnen und Konsumenten im Inland - für sie ist nur massgebend, was sie hier zahlen. Und das ist nicht nur für Benzin und Diesel mehr (+35 Prozent), sondern auch für Möbel (+11 Prozent), für Teigwaren (+10 Prozent) oder für Schuhe (+5 Prozent).

Diese Preiserhöhungen werden sich nicht für alle in Lohnerhöhungen übersetzen. Und nicht zu vergessen: Die Krankenkassenprämien sind in der Inflation nicht enthalten. Diese dürften für viele Versicherte um mindestens 5 Prozent steigen. Alles in allem drohen also happige Kaufkraftverluste.

Inflation darf nicht unterschätzt werden. Sie trifft tiefe Einkommen am meisten und birgt sozialen Zündstoff. Die Nationalbank hat den Anfang vom Ende des Negativzinses eingeläutet - nicht zu früh. Mehr kann die Nationalbank zurzeit kaum tun. In der Politik wiederum ist das Thema Kaufkraft noch nicht wirklich angekommen. Das muss sich schnell ändern.