Gipfeltreffen
Wieder Genf: Das Treffen von Joe Biden und Wladimir Putin weckt Erinnerungen an ein historisches Event

Das erste Treffen zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten soll im nächsten Monat in Genf stattfinden. Das historische Vorbild stammt aus dem Kalten Krieg.

Renzo Ruf, Washington
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Sie schrieben Geschichte in der Schweiz: KP-Generalsekretär Michail Gorbatschow (l) und US-Präsident Ronald Reagan in Genf.

Sie schrieben Geschichte in der Schweiz: KP-Generalsekretär Michail Gorbatschow (l) und US-Präsident Ronald Reagan in Genf.

Jansson / EPA LEHTIKUVA

Das Weisse Haus hat die Spekulationen um den Austragungsort eines Gipfeltreffens zwischen dem amerikanischen und russischen Präsidenten beendet. Die Begegnung von Joe Biden und Wladimir Putin soll am 16. Juni in Genf stattfinden, teilte die Biden-Sprecherin Jen Psaki am Dienstag mit. Über den potenziellen Austragungsort der ersten Zusammenkunft der beiden Präsidenten an den Gestaden des Genfersees wollte Psaki vorerst keine Auskunft geben.

Sie bestätigte aber an ihrer täglichen Pressekonferenz, dass weder Washington noch Moskau Vorbedingungen gestellt hätten. Das Treffen soll also demnach auf jeden Fall über die Bühne gehen, auch wenn die Spannungen zwischen den beiden Ländern in den vergangenen Monaten zugenommen haben. Auch wies Psaki die Behauptung einiger Biden-Kritiker zurück, das Treffen in Genf komme einer Belohnung für Putin gleich. Sie sagte stattdessen: «So funktioniert Diplomatie eben.»

Auch Weissrussland soll Thema werden

Ziel des Treffens sei es, die zwischenstaatlichen Beziehungen wieder stabiler und berechenbarer zu machen. Dazu gehöre ein Austausch auch über Themen, bei denen Biden und Putin nicht gleicher Meinung seien. So werde der amerikanische Präsident die Lage in der Ukraine und in Weissrussland thematisieren.

Das Treffen in der Schweiz ist eine logische Fortsetzung des Besuchsprogramms, das im Juni auf Biden wartet. Zuerst will der amerikanische Präsident vom 11. bis am 13. Juni am G7-Gipfel in Cornwall teilnehmen, an der südwestlichen Spitze Grossbritanniens. Anschliessend folgt ein Besuch in Brüssel.

In der belgischen Hauptstadt findet am 14. Juni das nächste Treffen der Nato-Mitgliedsstaaten statt, am Hauptsitz des Verteidigungsbündnisses. Und am 15. Juni wolle sich Biden mit Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission, und mit Charles Michel, dem Präsidenten des Europäischen Rates, besprechen, sagte seine Sprecherin.

Parmelin hofft auf «gute Gespräche»

Die offizielle Schweiz reagierte mit Freude auf die Zusage aus Washington und Moskau. Im April, als Biden erstmals die Bereitschaft äusserte, sich mit Putin direkt treffen zu wollen, hatte eine Sprecherin des Eidgenössischen Department für auswärtige Angelegenheiten noch mitteilen lassen: Die Schweiz sei bereit, die Rolle als Gastgeberin für Gespräche oder Treffen zu übernehmen, wenn dies «nützlich und gewünscht» sei.

Am Dienstag nun schrieb Bundespräsident Guy Parmelin auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: «Es freut mich sehr, dass die Schweiz Schauplatz des Gipfels (...) wird.» Parmelin sagte, er hoffe auf «gute Gespräche».

Der Gipfel in Genf weckt natürlich Erinnerungen an das legendäre Treffen zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow im November 1985. Es handelte sich damals um die erste Begegnung des Republikaners im Weissen Haus mit dem vergleichsweise jungen Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Und obwohl der Gipfel nicht mit einem Durchbruch endete, half das Treffen doch, das Eis zwischen Washington und Moskau zu brechen.

Hier enden wohl die Parallelen zum Treffen zwischen Biden und Putin. Die beiden kennen sich bereits, und haben während ihrer langen Karriere auch schon mehrmals miteinander gesprochen. Zuletzt reiste Biden, damals der Vize unter Präsident Barack Obama, im März 2011 nach Moskau.