Corona-Schutz
Häufigere Durchbrüche nach der Einmal-Impfung von Johnson&Johnson – das zeigt die Erfahrung aus Deutschland

Viele Ungeimpfte haben Angst vor mRNA-Präparaten. Das Vakzin von Johnson&Johnson könnte Abhilfe leisten. In der Schweiz soll es bald zum Einsatz kommen. Zahlen aus Deutschland lassen indes Zweifel an der Robustheit aufkommen.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Mehr als 3 Millionen Deutsche wurden bislang mit dem Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson gegen Corona geimpft.

Mehr als 3 Millionen Deutsche wurden bislang mit dem Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson gegen Corona geimpft.

Mario Hösel / www.imago-images.de

Mehr als eine Million bislang noch nicht geimpfter Schweizerinnen und Schweizer gehören nicht der Gruppe fundamentaler Impfgegner an. Viele haben lediglich Angst, sich mit einem mRNA-Impfstoff gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstitutes Sotomo gaben 72 Prozent der Befragten an, sie liessen sich wegen Vorbehalten gegen mRNA-Impfstoffe nicht mit einem Piks gegen das Virus. schützen. Lediglich 31 Prozent der Befragten lehnten die Impfungen grundsätzlich ab.

Nun soll der Bund alternative Impfstoffe bereitstellen, um die Impfquote zu erhöhen. Abhilfe könnte das Präparat von Johnson&Johnson leisten. Bei dem Vakzin des US-Pharmakonzerns handelt es sich um einen Vektor-Impfstoff, das Präparat muss für den vollständigen Schutz nur einmal verabreicht werden. Das Präparat ist auch in der Schweiz zugelassen, nicht aber erhältlich - weil der Bund den Impfstoff nicht gekauft hat. Laut «20 Minuten» wäre das Interesse bei der Schweizer Bevölkerung an dem Präparat durchaus vorhanden. Gemäss der Gratiszeitung erhielten Impfzentren und die Zulassungsstelle Swissmedic zuletzt zahlreiche Anrufe von Menschen, die sich nach einem alternativen Impfstoff zu den mRNA-Präparaten erkundigten.

Häufigere Impfdurchbrüche nach Johnson&Johnson

In Deutschland ist das Vakzin von Johnson&Johnson seit März erhältlich, es wird laut der Impfkommission für Menschen über 60 Jahren empfohlen. Gut drei Millionen Menschen wurden bislang mit der Einmal-Impfung gegen Corona geimpft. Allerdings dürfte der Schutz des Vakzins zumindest in den ersten Wochen nach der Impfung weniger hoch sein als bei mRNA-Impfstoffen. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) kommt es nach Johnson&Johnson-Impfungen häufiger zu Impfdurchbrüchen als bei anderen Impfstoffen. Ein Impfdurchbruch besteht dann, wenn es trotz vollständigen Impfschutzes zu einer Corona-Infektion kommt.

Bisher stellte das RKI in Deutschland bei über 52 Millionen vollständig Geimpften mehr als 39'000 Impfdurchbrüche fest. Darunter waren 6106 Menschen, die sich zuvor mit Johnson&Johnson impfen liessen. Auf eine Million geimpfte Menschen kommt es mit Johnson&Johnson damit zu etwa 2000 Impfdurchbrüchen. Zum Vergleich: Beim am häufigsten in Deutschland verwendeten Impfstoff von Biontech/Pfizer sind es etwa 675 Impfdurchbrüche pro eine Million vollständig Geimpfte. Ähnliche Hinweise auf einen weniger robusten Schutz durch das Johnson&Johnson-Präparat gibt es auch aus Frankreich.

Immunantwort tritt verzögert ein

Allerdings: Die deutsche Impfkommission verweist auf die hohe Wirksamkeit des Präparats. Möglicherweise hängen die in Relation häufiger vorkommenden Impfdurchbrüche nach der Einmal-Impfung mit der etwas verzögerten Immunantwort nach einer Johnson&Johnson-Impfung zusammen. Der Körper brauche nach Verabreichung des Vektor-Impfstoffes länger als nach einer mRNA-Impfung für die Immunabwehr, sagt Carsten Watzl von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie gegenüber der «Zeit».

Nach 14 Tagen gilt man in Deutschland offiziell als immunisiert. Infektionen mit dem Coronavirus in einer frühen Phase nach der Impfung mit dem Vektor-Vakzin würden daher von der Statistik als Impfdurchbrüche gewertet. «Zu dem Zeitpunkt ist man aber noch nicht vollständig durch die Johnson&Johnson-Impfung geschützt. Und die Antikörperspiegel liegen deutlich unterhalb derer, die durch die anderen Impfstoffe erzeugt werden», so Watzl weiter.

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