Deutschland
Was macht Angela Merkel? Dieser Mann hat ein attraktives Jobangebot für die Ex-Kanzlerin

Seit ihrem Auszug aus dem Kanzleramt Mitte Dezember ist es ruhig geworden um Angela Merkel. Nach Wunsch der Vereinten Nationen könnte sich das schon bald ändern.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, trafen sich zuletzt im November 2019 in Berlin zu einem offiziellen Treffen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, trafen sich zuletzt im November 2019 in Berlin zu einem offiziellen Treffen.

Wolfgang Kumm / dpa/26.11.2019

Die politisch brisante Lage mit einem drohenden Krieg mitten in Europa hat Angela Merkel in der öffentlichen Wahrnehmung fast schon in Vergessenheit geraten lassen. SPD-Kanzler Olaf Scholz hat mit seiner Ampel-Regierung allerhand zu tun, seine Aussenministerin Annalena Baerbock befand sich zuletzt auf schwieriger Mission in Kiew und in Moskau. Und bei der Pandemie-Bewältigung ist mehr Tempo drin unter Scholz als noch zu Merkels Amtszeit.

Die öffentliche Aufmerksamkeit gilt dem Gegenwärtigem. Von Merkel tauchen gelegentlich Paparazzi-Fotos auf: Merkel beim Einkaufen im schicken «Kaufhaus des Westens» KaDeWe in Berlin. Regelmässig soll auch spätabends noch das Licht in ihrem Büro im Berliner Regierungsviertel brennen. Merkel scheint nach 16 Jahren Amtszeit ihren politischen Ruhestand zumindest einigermassen zu geniessen.

Guterres will Merkel nach New York holen

Nun aber hat die 67-Jährige ein attraktives Jobangebot erhalten. Absender: UNO-Chef Antonio Guterres, New York. Der 72-jährige Portugiese möchte die weltweit bestens vernetzte Ex-Kanzlerin für den Vorsitz eines Beratergremiums der UNO gewinnen. Merkel soll das Gremium zu global öffentlichen Gütern leiten, die potenziell über Ländergrenzen hinweg der gesamten Weltbevölkerung dienen. Beispiele für öffentliche Güter sind die Ozonschicht, aber auch international geltende Regelwerke wie jene zur Flugsicherheit und zum weltweiten Handel. Laut einem Bericht der deutschen Presseagentur hat Guterres das Jobangebot der in Berlin lebenden Ex-Kanzlerin per Brief unterbreitet. Merkel soll noch nicht auf das Angebot reagiert haben.

Bei der UNO in New York rechnet man sich allerdings nur geringe Chancen aus, dass Merkel das Angebot auch tatsächlich annehmen wird. Merkel hat vor ihrem Ausscheiden aus der Regierung stets betont, dass sie nach ihrem Amtsende keine politische Tätigkeit mehr anstrebe. Sie wollen zunächst eine Pause einlegen und überlegen, «was mich so eigentlich interessiert.» Sie wolle viel lesen.

«Und dann werden mir die Augen zufallen, weil ich müde bin, dann werde ich ein bisschen schlafen, und dann schauen wir mal.»

Allerdings würde es nicht zu Merkel passen, würde sie die nächsten Jahre nur noch mit Wandern und Langlauf verbringen. Irgendeine Tätigkeit wird die ostdeutsche Physikerin vermutlich dereinst wieder anstreben. Ausgeschlossen ist also nicht, dass sie dem Ruf der UNO folgen wird. Doch Merkel-Kenner und Polit-Journalist Robin Alexander («Die Welt») hält das für unwahrscheinlich. Im Herbst sagte er gegenüber unserer Zeitung:

«Ich bin überzeugt, dass sie aus der Politik verschwinden wird. Ich glaube, dass sie den Tag auch herbeisehnt.»

Wie dem auch sei: Merkels Partei, die CDU, denkt derweil darüber nach, wie die Christdemokraten ihre ehemalige Parteichefin und Kanzlerin gebührend ehren könnten. In der CDU ist die Idee aufgekommen, eine «Bundeskanzlerin-Merkel-Stiftung für Migration und Integration» ins Leben zu rufen. Der EU-Abgeordnete Dennis Radtke erklärte: «Die Bewältigung der Flüchtlingskrise ist ein bleibender Verdient von Angela Merkel. Es wäre eine Würdigung ihres Wirkens, wenn die CDU die Gründung einer Stiftung für Migrations- und Integrationsforschung initiieren würde.»

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