Corona
Pandemie Marsch! Warum Deutschland im Kampf gegen das unsichtbare Virus jetzt auf einen Panzergeneral setzt

Vorbild Italien: Ein Afghanistan-Veteran soll das Corona-Krisenmanagement koordinieren. Generalmajor Carsten Breuer hat ein ganz bestimmtes Ziel.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Neu an der Spitze des deutschen Corona-Krisenstabes: Generalmajor Carsten Breuer.

Neu an der Spitze des deutschen Corona-Krisenstabes: Generalmajor Carsten Breuer.

Keystone

Die Meldungen steigender Corona-Infektionen reissen nicht ab, Deutschland zählt seit Beginn der Pandemie mehr als 100'000 Todesopfer. An diesem Dienstag treffen sich die amtierende Kanzlerin Angela Merkel und Olaf Scholz, Merkels Nachfolger von der SPD, der bereits nächste Woche mit seinem Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP die Arbeit aufnehmen dürfte. Ziel der Video-Konferenz, an der auch die Regierungschefs der 16 Bundesländer teilnehmen werden: möglichst rasch eine Coronastrategie vorlegen, mit der die vierte Welle gebrochen werden könnte.

Was jetzt schon klar ist: Anders als Merkel, die auf zivile Expertise zählte, setzt der neue Kanzler Olaf Scholz auf die Hilfe eines hoch dotierten Bundeswehr-Generals im Kampf gegen das Virus. Generalmajor Carsten Breuer, der morgen Mittwoch 57 Jahre alt wird, soll die Leitung über den neu geschaffenen Corona-Krisenstab übernehmen.

Der Afghanistan- und Kosovo-Veteran und Panzergeneral soll eine unbürokratische, rasche Organisation auf die Beine stellen, damit Deutschland die derzeit tobende vierte Coronawelle möglichst rasch brechen kann. Unter anderem soll der General den Aufbau von Impfzentren und mobilen Impfteams koordinieren. Die Impfquote in Deutschland steigt nur gemächlich. Ungefähr 68 Prozent der erwachsenen Deutschen haben den vollständigen Impfschutz. Nach Ansicht von Expertinnen und Experten ist das zu wenig, um einigermassen glimpflich durch den zweiten Coronawinter zu steuern.

Auch Italien setzte auf einen General – mit Erfolg

Der Generalmajor verfügt in Sachen Organisation und Krisenmanagement über reichlich Erfahrung. Zuletzt war der gebürtige Saarländer Kommandant Territoriale Aufgaben der Bundeswehr und damit bereits für Einsätze der Bundeswehr-Streitkräfte im Inland zuständig.

Breuer und seine Truppen halfen bei den Hochwassern im Sommer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, waren aber auch schon in der Coronapandemie aktiv. So leisteten die Truppen etwa Aushilfe in überlasteten Gesundheitsämtern oder in Alters- und Pflegeheimen. Auch die Luftwaffe sprang ein. So wurden am vergangenen Wochenende Corona-Intensivpatienten in freie Krankenhäuser in der Republik geflogen. Breuer dient seit 1984 als Berufsoffizier bei der Bundeswehr, in seiner Tätigkeit hatte er auch Einsätze in Afghanistan und im Kosovo.

Ein Corona-General an der Spitze des Krisenstabes - Deutschland orientiert sich bei der Ernennung Breuers am Vorbild Italien. Dort hat der Afghanistan-Veteran Francesco Figliuolo die lange Zeit stockende italienische Impfkampagne komplett umgekrempelt.

Straffer Organisator: Francesco Figliuolo (links, im Gespräch mit einem Helfer der zivilen Einsatzgruppen).

Straffer Organisator: Francesco Figliuolo (links, im Gespräch mit einem Helfer der zivilen Einsatzgruppen).

Keystone

Der 60-jährige General der italienischen Armee, ehemaliger Logistik-Spezialist militärischer Einsätze in Afghanistan und im Kosovo, hat eine weitgehend zentral aus Rom gelenkte Impfkampagne straff organisiert. Derzeit organisiert der italienische Corona-General die Booster-Impfkampagne, gestaffelt nach Alters- und Gefährdungsgruppe. Das soll ohne neue Logistik und Errichtung von Impfzentren problemlos über die Bühne gehen, verspricht der General:

«Dies werden wir mit der bereits jetzt zur Verfügung stehenden Infrastruktur der Impfzentren bewältigen können.»

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