Papst-Rücktritt
Auch auf Twitter ist Papst Benedikt XVI. nur auf Sendung

Papst Benedikt XVI. hat sich auf Twitter gewagt. Es ist ein gefährliches Terrain für das Oberhaupt der Katholiken. Mit seinem englischen Accout hat er es auf 1,5 Millionen Follower gebracht. Einen Dialog führt der Papst aber nicht, er sendet.

Raffael Schuppisser
Merken
Drucken
Teilen
Nun heisst es, konzentrieren und mit dem Zeigefinger den Bildschirm an der richtigen Stelle berühren.

Nun heisst es, konzentrieren und mit dem Zeigefinger den Bildschirm an der richtigen Stelle berühren.

Keystone

Die Welt verändere sich schnell, hat der Papst bei seiner Rücktrittserklärung festgestellt. Mit dieser sich schnell verändernden Welt wollte Benedikt XVI. mithalten - und so wurde er zum ersten twitternden Papst. Am 12. Dezember 2012 meldete sich das Oberhaupt der Katholiken zum ersten Mal auf Twitter zu Wort.

In einer feierlich anmutenden Szene nahm der Papst vor einem schwarzen iPad Platz, setzte sich seine Brille auf - und berührte mit gekrümmtem Zeigefinger den Bildschirm. Nichts geschah. Der zitternde Finger hatte die falsche Stelle des Touchscreens getroffen. Sofort bot einer seiner beistehenden Helfer Hand, damit die 120 Zeichen lange Nachricht doch noch die Follower des Pontifex erreichte. «Liebe Freunde!», liess er verlauten, «Gerne verbinde ich mich mit euch über Twitter. Danke für die netten Antworten. Von Herzen segne ich euch.»

Nach dem ersten mühsam verschickten Tweet folgten am selben Tag noch fünf weitere kurze Botschaften. Schnell versammelte sich auf Twitter eine Schar von Jüngern (und Jüngerinnen), die @Pontifex bis heute folgen und seine Glaubensverkündungen per Retweet in alle Sphären des World Wide Webs tragen.

Nicht nur Freunde sind auf Twitter

Auf über 1,5 Millionen Follower hat es der Papst mit seinem englischen Account mittlerweile gebracht. Damit kann er es mit den beliebtesten Twitter-Nutzern allerdings noch nicht aufnehmen - 34 Millionen folgen Lady Gaga, 27 Millionen Barack Obama. Und selbst unter Religionsführern ist Benedikt XVI. noch immer eine «kleine Nummer».

Der Dalai Lama etwa bringt es auf über 6 Millionen Follower. Dafür twittert der Papst gleich auf acht Sprachen - unter anderem auch auf Deutsch, Polnisch und Arabisch. Der religiöse Laie mag sich denken: Schön wäre es für den Religionsfrieden, wenn sich die Oberhäupter der verschiedenen Glaubensgemeinschaften auch gegenseitig die Ehre erweisen würden. Doch weder der Papst noch der Dalai Lama folgen anderen Twitter-Nutzern.

Keine Fragen

Auch der Fragen und der kritischen Äusserungen nimmt sich Benedikt XVI. auf Twitter nicht an. «Wir dürfen der Kraft der Barmherzigkeit Gottes vertrauen», schreibt der Papst. «Anstatt Gottes Barmherzigkeit meinst du ‹Götzenkult› und ‹Kinderschänder› richtig?», kritisiert einer. Nein, auf Twitter hat sich der Papst nicht nur Freunde gemacht.

Neben der Gruppe, die seine Botschaften brav weiterverbreitet, vermehrt sich ebenso jene Fraktion, die mit der Vertuschung der Pädophilie-Skandale hart ins Gericht geht und die den Papst dafür kritisiert, dass er am Zölibat festhält. Einfacher ist das Leben mit Twitter für den Papst bestimmt nicht geworden. Denn anders als beim Sprachrohr Gottes funktioniert auf Twitter die Kommunikation immer in zwei Richtungen.