USA
Was ist bloss an den US-Börsen los? Zinserhöhungen und ein starker Dollar heizen Panikverkäufe an

Die happigen Kursverluste an den amerikanischen Finanzmärkten halten an. Die Korrektur ist eine Reaktion auf die Ankündigung von Notenbanken, im Kampf gegen die Inflation Gas zu geben.

Renzo Ruf, Washington
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Der Leitindex Dow Jones der New Yorker Börse hat seit Wochenbeginn mehr als 1500 Punkte verloren.

Der Leitindex Dow Jones der New Yorker Börse hat seit Wochenbeginn mehr als 1500 Punkte verloren.

Keystone

Die Ausverkaufsstimmung an den amerikanischen Finanzmärkten hält an. Am Freitag gaben die Leitindexe der führenden US-Börsen NYSE und Nasdaq zwischenzeitlich um mehr als zwei Prozent nach. Der Dow Jones Industrial Index fiel bis Handelsende auf knapp 29'600 Punkte – ein neuer Tiefstand im laufenden Jahr. Seit Anfang Jahr verlor stark beachtete Index S&P 500 um 23 Prozent.

Treiber dieser Panikverkäufe ist die allgemeine Unsicherheit über den Zustand der amerikanischen Volkswirtschaft, der grössten dieser Welt. Fed-Chef Jerome Powell kündigte diese Woche in deutlichen Worten an, dass die amerikanische Notenbank an ihrem Kurs, die hohe Inflation mit Hilfe einer Kette beispielloser Zinserhöhungen zu bekämpfen, festhalten werde.

Dieser Kampf könnte bis weit ins kommende Jahr andauern, wie Powell sagte, und «schmerzhaft» sein – ein Code-Wort für eine deutlich höhere Arbeitslosenrate. Die Börsianer reagierten auf diese Entschlossenheit Powells mit Schockverkäufen, auch weil sie Angst haben, dass der Fed-Chef über das Ziel hinausschiessen und die Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnte. Seit Montag verlor der Dow Jones zwischenzeitlich mehr als 1500 Punkte, oder mehr als fünf Prozent. Aufgrund der Rezessionsängste gab auch der Öl-Preis stark nach.

Angeheizt wurde der Pessimismus der Börsenhändler durch schlechte Wirtschaftsnachrichten aus Europa, eine massive Steuersenkung in Grossbritannien zur Ankurbelung der Konjunktur und die Stärkung des US-Dollars, die amerikanischen Exportunternehmen Kopfzerbrechen bereitet.

Auch im Vergleich zum Schweizer Franken gewann der Dollar in den vergangenen Tagen stark an Wert. Von der Parität sind die beiden Währungen aber, bei einem aktuellen Wechselkurs von 1.018 Dollar für 1 Franken, immer noch weit entfernt.

Die Kurskorrektur und die politische Stimmung

Offen ist, welche Auswirkungen diese Kurskorrektur auf die Stimmung der amerikanischen Konsumentinnen und Konsumenten haben wird. Bisher zeigten sich die Durchschnittsbürger recht unbekümmert über die volatilen Börsenkurse. In den vergangenen vier Monaten stiegen die Konsumentenausgaben jeweils leicht an, was darauf hindeutet, dass den Amerikanern trotz hoher Inflation und düsteren Konjunkturprognosen das Portemonnaie immer noch locker sitzt.

Das Weisse Haus hofft, dass diese positive Stimmung anhält. Präsident Joe Biden pflegt zu sagen, dass der Aktienmarkt nicht unbedingt den Zustand der Wirtschaft widerspiegle und die US-Volkswirtschaft «immer noch stark» sei. Der politische Gegner wiederum hofft, dass die Kurskorrektur an der Wall Street die Wählerinnen und Wähler davon überzeugt, dass in Washington ein Machtwechsel angebracht sei.

Politbeobachter rechnen bei der Parlamentswahl am 8. November immer noch mit einem Sieg der Republikaner im Repräsentantenhaus, der grossen Kammer des Kongresses. Entscheidend wird deshalb das Rennen um die Mehrheit im Senat sein.