Amerika
US-Republikaner fordern Olympia-Boykott – und vergleichen Peking mit Nazi-Deutschland

In zunehmend schrillen Tönen unterstützen Politiker der Republikaner einen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking. Präsident Biden spielt auf Zeit. Und das Nationale Olympische Komitee hat ganz eigene Interessen.

Renzo Ruf aus Washington
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Zieht Parallelen zu den Olympischen Spielen in Berlin 1936: Die Republikanerin Nikki Haley ist für einen Boykott der SPiele in Peking.

Zieht Parallelen zu den Olympischen Spielen in Berlin 1936: Die Republikanerin Nikki Haley ist für einen Boykott der SPiele in Peking.

John Raoux / AP

Vielleicht hatte sie einen Aussetzer. Oder vielleicht verstand sie die Frage falsch. Als Jen Psaki, die Sprecherin des Weissen Hauses, vor einem Monat während einer Pressekonferenz gefragt wurde, ob es für amerikanische Athletinnen und Athleten ungefährlich sei, an den Olympischen Sommerspielen in Japan teilzunehmen, sprach sie stattdessen über die nächsten olympischen Winter-Wettkämpfe. Sie habe zur Kenntnis genommen, dass die Medien an diesem Thema interessiert seien, sagte Psaki. Aber «derzeit» führe das Weisse Haus keine Diskussionen über einen möglichen Boykott von «Peking 2022».

Amerika strebe, wie immer in solchen Fällen, ein koordiniertes Vorgehen mit seinen Verbündeten an, verriet Psaki; vielleicht eine Anspielung darauf, dass beispielsweise im nördlichen Nachbarland Kanada recht engagiert über einen Boykott diskutiert wird. Aber eben, betonte die Sprecherin von Präsident Joe Biden, aktuell führe das Weisse Haus keine Debatte über die Frage, ob die amerikanische Delegation aus politischen Gründen nicht an den Wettkämpfen in China teilnehmen solle.

An dieser Position der Regierung Biden hat sich seither nichts geändert. Allerdings hat Psaki nun die offizielle Sprachregelung leicht angepasst. Das Weisse Haus habe «noch keine endgültige Entscheidung» über ein mögliches Fernbleiben der amerikanischen Athleten getroffen, sagte sie vorige Woche. Gleichzeitig verwies Psaki aber auch darauf, dass in dieser Debatte das Nationale Olympische Komitee tonangebend sei.

«Team USA» sagt, ein Boykott sei schlecht für die Athleten

Und dieser Sportverband scheint kein Interesse daran zu haben, im kommenden Winter nicht nach China zu reisen. «Team USA», wie sich die Organisation auch nennt, stehe Boykotten kritisch gegenüber, sagte ein Sprecher kürzlich, weil sich diese in erster Linie negativ auf die Athleten auswirkten. «Wir sind der Meinung, dass es effizienter wäre, wenn die Regierungen dieser Welt und China direkt miteinander über Menschenrechte und geopolitische Fragen sprechen würden», sagte der Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees.

Eine Reihe republikanischer Politiker allerdings ist der Meinung, dass es für einen solchen Dialog zu spät sei. Michael Waltz, beispielsweise, ein Abgeordneter aus Florida im nationalen Repräsentantenhaus. Der 47 Jahre alte ehemalige Berufssoldat sagt: Amerika könne nicht «guten Gewissens» an Olympischen Spielen teilnehmen, die in einer «brutalen Diktatur» stattfänden – auch weil die Kommunistische Partei die Wettkämpfe propagandistisch ausschlachten werde.

Einen ähnlichen Tonfall schlägt Nikki Haley an, die ehemalige Gouverneurin aus South Carolina und UNO-Botschafterin in der Regierung von Präsident Donald Trump. In einem Gastbeitrag für den Nachrichtensender Fox News Channel zog die Republikanerin Parallelen zwischen den Olympischen Wettkämpfen in Berlin im Jahr 1936 und den anstehenden Spielen in Peking. «Das kommunistische China ist heute ganz offensichtlich gefährlicher als es Nazi-Deutschland im Jahr 1936 war», behauptete Haley, lasse das «teuflische Regime» in Peking doch keine Zweifel über seine Pläne aufkommen.

Biden überprüft die bilateralen Beziehungen

Offen ist, ob Biden, der sich im vorigen Monat telefonisch mit Chinas Präsident austauschte, sich solche Aufrufe zu Herzen nehmen wird. Regierungsvertreter betonen, dass der neue Präsident derzeit sämtliche Aspekte der bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Peking einer Überprüfung unterziehen.

Nicht zu unterschätzen ist dabei die Rolle, die regionale Interessen spielen werden. Die Olympischen Sommerspiele 2028 werden in Los Angeles stattfinden. Und Kalifornien hat nicht vergessen, dass die letzten Sommerspiele, die an der amerikanischen Westküste ausgetragen wurden, von einem Boykott überschattet worden waren. 1984 blieben nämlich die meisten Staaten des damaligen Ostblocks Los Angeles fern, angeblich, weil die Delegationen aus den kommunistisch regierten Staaten um die Sicherheit ihrer Athleten bangten. In Tat und Wahrheit handelte es sich aber wohl um eine Vergeltung für den Boykott des Westens der Olympischen Winterspiele 1980 in Moskau.