Grenchen hat am Samstag seine 4. «blaue» Kulturnacht erlebt. «Wir hatten spürbar mehr Publikum als vor zwei Jahren und erhielten viele positive Echos» sagte gestern OK-Präsidentin Angela Kummer. Es sei offenbar gelungen, ein Programm zusammenzustellen, das viele angesprochen hat. Eine genaue Zahl der Eintritte liegt noch nicht vor.

Bereits am Samstagnachmittag war einiges los, angefangen mit Workshops und Lesungen für Kinder im Kunsthaus, Museum und Lindenhaus, über albanische Volkstänze, organisiert von Granges Mélanges in der alten Turnhalle, die Vorführung von Kurzfilmen im Kino Rex, bis zur Vernissage der Ausstellung «virtuos-virtuell» der kantonalen Künstlervereinigung Visarte, die unter dem Präsidium von Claude Barbey neuen Schub erhalten hat. Der für Kultur zuständige Regierungsrat Remo Ankli wünschte den Künstlern denn auch den nötigen Elan für weitere Aktivitäten. «Grenchen, das sich seit Jahrzehnten speziell für zeitgenössische Kunst engagiert hat, ist sicher der richtige Ort für diesen Neustart.»

Eindrücke aus der Grenchner Kulturnacht 2016

Eindrücke aus der Grenchner Kulturnacht 2016

Auch Stadtpräsident François Scheidegger zeigte sich erfreut über das vielfältige kulturelle Leben in der Stadt und dankte den Sponsoren, ohne deren Engagement die Durchführung der Kulturnacht nicht möglich wäre. Unter den Klängen des Duos The 2 of Us, brach das Publikum zur weiteren Kultur-Erkundungstour auf.

Kultur hört auch in der Küche nicht auf, wie die Show von Molekularkoch Rolf Caviezel zeigte. Mit seinem«Küchengehilfen» (Sohn Nicolas) rockte er die Disco im Keller der Turnhalle auf kulinarische Weise: zum Beispiel mit flüssigem Stickstoff (Trockeneis) und dessen Einsatzgebieten für die spektakuläre Zubereitung von überraschenden Kreationen oder Drinks. Zum Ausprobieren daheim eher nicht geeignet, doch Caviezels Restaurant am Marktplatz ist ja nah.

Kochshow von Molekularkoch Caviezel

Kochshow von Molekularkoch Caviezel

Volles Haus auch für Reeto von Gunten. Der Berner Radiomacher - dank ihm habe es jeweils am Sonntagmorgen so wenige Frauen in der Predigt, weil sie ihn im Radio hören wollten – präsentierte einen «Dia-Vortrag»: Unterhaltsam, bissig und intelligent und damit entgegen jeglichem Klischee, das diesem Genre anhaftet.

Rush Hour in New York

Die Gesamtschule für Theater Grenchen (GTG), die im Parktheater alljährlich mehrere Kurse rund ums Laientheater durchführt, bot Workshops an, in denen man Theaterluft schnuppern konnte. Die beiden Kurse stiessen auf breites Interesse und gaben spannende Einblicke in die Welt des Schauspiels. So wurde im zweiten Workshop auf die Wahrnehmung und Körpersprache fokussiert: Die Anwesenden marschierten querbeet durch den Raum, während Geschäftsführer der GTG und Workshopleiter Alex Truffer Anweisungen gab: Zunächst galt es, sich vorzustellen, inmitten von New Yorks Rush Hour zu sein. Bald spazierten die Teilnehmenden entspannt durch den Central Park, um darauf von einem Gewitter überrascht zu werden und schliesslich klitschnass über einen unbekannten Friedhof zu irren.

Im Foyer des Kunsthauses haben sich während der Kulturnacht die Katzen niedergelassen. Das Stadtorchester unter der Leitung von Daniel Polentarutti führte Leckerbissen aus dem Musical «Cats» auf. Old Gumbie Cat sass und sass und sass, Grizabellas Erinnerungen wurden wohlklingend zum Leben erweckt und im kraftvollen, beschwingten Stück «Skimbleshanks The Railway Cat» beäugte der Katerkontrolleur die Fahrgäste ganz genau. Am Ende gab es einen Katzenkanon aus Frankreich und das berühmte Katzenduett von Rossini zu hören. Die beiden Stadtorchestermitglieder Leonhard und Ruth Cadetg miauten in die Nacht, während das Orchester sie passend untermalte. (Mitarbeit: Oliver Menge)