Nächstes Jahr will die Swatch Group ein neues Modell mit dem Namen «tick different» auf den Markt bringen. Dafür lässt sie den Slogan als Marke eintragen. Das sorgte für Aufruhr bei Apple-Fans, denn: Die Wörter sind einem Motto des Grosskonzerns  - «think different» - verdächtig ähnlich. Die Neuigkeiten beschäftigen aber auch Dominik Maegli, Leiter des Fachgeschäfts Uhrsachen, der unter dem Namen «Bijouterie Maegli» auch zwei Filialen in Solothurn und in Olten führt. 

Der ehemalige Besitzer von Uhrsachen - der Bieler Hans Erb - hat nämlich ein Uhrenmagazin nach diesem Slogan benannt und eine Webseite mit demselben Titel erstellt, wie das «Bieler Tagblatt» am Donnerstag berichtet. Auch heute benutzt das Geschäft den Leitspruch als Titel ihres Uhrenblog. Dort sind Neuigkeiten über die Branche und ihre «etwas anderen Uhren» aufgeführt.

Der Spruch wird also häufig verwendet. Der derzeitige Chef hat nach Übernahme der Firma zudem die Tick Different AG gegründet, zu der der Standort in Bern und die Bijouterien in Solothurn und Olten gehören. Als Marke eingetragen ist dieser Slogan aber nicht. Nun stellt sich die Frage, ob das Motto von der Firma weiterhin verwendet werden kann.

Informiert über den Beschluss der Swatch Group wurde Maegli nicht. Dies hat ihn erstaunt, da in den beiden Bijouterien einige Marken des Herstellers im Sortiment seien und gute Geschäftsbeziehungen geführt würden. Er hat sogar eine Zeit lang für eine Swatch Marke gearbeitet. Wie Konzernchef Nick Hayek gegenüber dem «Bieler Tagblatt» sagt, sei es keineswegs ein Ziel Uhrsachen zu schaden. Der Slogan werde ausserdem für den Modellschutz als Marke eingetragen - so könne gegen Fälscher vorgegangen werden.

Warum wurde Maegli aber nicht über den Beschluss informiert, wo doch sowieso Kontakt zwischen ihm und der Swatch besteht? Dies erklärt Hayek so: «Die Swatch kreiert ständig Modelle mit neuen Namen. Da werden nicht jedesmal die Akteure angefragt, die den Slogan schon in einem anderen Zusammenhang verwenden.»

Abklärung befindet sich «auf gutem Weg»

Bei Uhrsachen herrscht momentan keine grosse Besorgnis wegen der Sache. Man stehe in Kontakt mit der Swatch Group, um die Angelegenheit zu klären, wie Maegli auf Anfrage erzählt. «Wir wollen uns gegenseitig nicht in Bedrängnis bringen und suchen momentan nach einer möglichst einfachen Lösung», kommentiert er. Der Uhrsachen-Chef ist zuversichtlich gestimmt und hofft, dass bald eine formelle Abmachung zwischen dem Weltkonzern Swatch und seinem Geschäft getroffen werden kann.

«‹Tick different» ist von Uhrsachen nie als Marke eingetragen worden», bestätigt Maegli. Bereut man das jetzt? «Rückblickend würde ich sagen, wenn wir es gewusst hätten, hätten wir den Slogan vielleicht vorher schon eintragen lassen. Je nachdem können wir aber von der jetzigen Situation sogar profitieren.»

Wenn es zu einer Abmachung zwischen beiden Firmen kommt - die Swatch Group Inhaber der Marke «Tick different» wird und Uhrsachen den Slogan weiterverwenden darf -, könnte das kleine Berner Geschäft zwei Vorzüge daraus ziehen. «Durch die Swatch könnte unser Leitspruch noch bekannter werden», sagt Maegli. Sollte irgendwann eine dritte Firma den Slogan verwenden wollen, könnte der Grosskonzern, der sich mit Markenrecht bestens auskennt, «für Recht und Ordnung sorgen».

Zahlreiche Reaktionen

Uhrsachen hofft natürlich auch darauf, den Leitspruch weiterhin verwenden zu dürfen, da er seit rund zehn Jahren zum Geschäft gehört. Das hebt der Leiter ausdrücklich hervor. «Der Slogan trifft perfekt auf das zu, was wir machen.» In der Region seien die Worte ausserdem bekannt. 

Auf Grund der Neuigkeiten der Swatch Group hätten mehrere Kunden per Mail oder direkt im Geschäft reagiert. Das wurde von Maegli positiv aufgefasst: «Unsere Kundschaft weiss was wir tun und wofür wir stehen – der Slogan ist fest verankert. Das wurde durch die Reaktionen in den letzten Tagen bestätigt.»

Kontaktierte das Geschäft eigentlich auch die Firma Apple, als das Motto ins Leben gerufen wurde? Damals war Hans Erb noch Leiter von Uhrsachen. Laut Maegli hat man den Grosskonzern in einer Mitteilung wissen lassen, dass nun mit einem Leitspruch, der ähnlich wie der Apple-Slogan «think different» klingt, arbeitet. Mehr sei aber nicht passiert. «Der Konzern Apple wusste, was das kleine Geschäft in Bern macht und hat nicht darauf reagiert. Somit war die Sache geklärt – man wollte damals keine schlafenden Hunde wecken.»