Grenchen

Weil es «Chritz» im Turnverein gab, findet die Bundesfeier nun doch nicht im Stadion statt

Letztes Jahr noch unter den Girlanden im Turnerstadion – Die 1.-August-Feier und das gemeinsame Singen des Schweizerpsalmes finden dieses Jahr beim Parktheater statt.

Letztes Jahr noch unter den Girlanden im Turnerstadion – Die 1.-August-Feier und das gemeinsame Singen des Schweizerpsalmes finden dieses Jahr beim Parktheater statt.

Wegen internen Streits im Turnverein führt die Stadt die 1.-August-Feier wieder beim Parktheater durch.

Anfang März nahm die Stadt Kontakt mit den Verantwortlichen des TVG auf, um die Feier, die letztes Jahr erstmals mit grossem Erfolg im Turnerstadion durchgeführt wurde, erneut an diesem Ort zu organisieren. Die Gemeinderatskommission GRK hatte es so beschlossen. Vom Turnverein Grenchen waren im Jahr zuvor die Volontaris massgeblich beteiligt, die Freiwilligen, welche für den Unterhalt des Stadions sorgen.

Damals noch unter der Leitung des ehemaligen Ressortchefs Stadion, Robert Gilomen, seien sie hocherfreut gewesen, als Mike Brotschi vom Standortmarketing, Kultur und Sport angerufen und sie über den Beschluss der GRK informiert habe. Sie hätten gleich erste Vorbereitungen getroffen, auch in der Hoffnung, dass andere, jüngere Mitglieder des TVG ihre Hilfe zusichern.

In der Folge allerdings war die schriftliche Korrespondenz zwischen Gilomen, den Volontaris, Geschäftsleitungsmitgliedern des TVG und dem Anfang März neu gewählten Vorsitzenden der Geschäftsleitung des Turnvereins, Elias Meier, geprägt von Anschuldigungen, Schuldzuweisungen und haltlosen Behauptungen. Ein Teil dieser Korrespondenz liegt dieser Zeitung vor.

Stadt kriegt einen Korb

Ende Mai folgt eine Absage an die Adresse der Stadt, weil von deren Seite keine schriftliche Anfrage und auch sonst keine Reaktion erfolgt sei, trotz mehrfacher mündlicher Nachfrage, und die Entwicklung in der Vereinsleitung des TVG unerfreulich sei. Auch ein «negativer» Artikels Mitte März in dieser Zeitung sei dafür verantwortlich. Absender der Absage: Robert Gilomen. Ein E-Mail an die Volontaris, in dem Meier diese doch noch um einen Einsatz gebeten hat, bezeichnete Gilomen als Frechheit.

«Wir waren sehr überrascht und uns hat das etwas auf dem falschen Fuss erwischt», sagt Stadtpräsident François Scheidegger dazu. Denn schliesslich seien viele Vorbereitungen bereits getroffen worden. Beispielsweise wurde auch schon der offizielle Redner eingeladen – der Solothurner SVP-Nationalrat Christian Imark wird in Grenchen erwartet.

Beim Parktheater wie gehabt – aber mit Feuerwerk?

Die Stadt hat bereits eine Alternative ins Auge gefasst. Wie in den Jahren zuvor wird man die Bundesfeier beim Parktheater im Stadtpark durchführen. «So haben wir auch eine Schlechtwetter-Variante und könnten die Festivitäten ins Foyer verlegen», sagt Scheidegger. Das Parktheater gehöre schliesslich der Stadt und von daher finde er es auch gut, die Feier dort durchzuführen. «Wir waren letztes Jahr im Stadion, auch um ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass wir hinter dem Projekt Stadionneubau stehen. Und das nicht nur mit der Million, die die Stadt bezahlt.»

Allerdings, so räumt Stadtpräsident François Scheidegger ein, ob man auch in diesem Jahr ein Feuerwerk steigen lasse, sei mehr als fraglich. «Wir haben nicht die Mittel, um ein Spektakel wie in Biel oder Solothurn zu finanzieren. Das Feuerwerk letztes Jahr wurde durch Private gesponsert.»

Ausserdem hinterfrage er auch Sinn und Zweck und sei kein «ausgesprochener Freund» von Feuerwerk. «Eventuell werden wir im Stadtpark etwas Spezielles zeigen, wie einen Feuer-Wasserfall, aber das ist noch in Abklärung und die GRK muss sich dazu äussern.»

Kehrt nun Ruhe ein?

Inzwischen sind laut Elias Meier die Differenzen mit Gilomen und den Volontaris ausgeräumt. Diese haben noch diese Woche «nach einer intensiven Aussprache mit Gilomen eine für ihre Zukunft gute Einigung erzielt», wie es in einem Schreiben eines Mitglieds der Gruppe an diese Zeitung heisst.

Gilomen habe keine Aufgabe mehr im Verein, der Ressortchef Stadion sei vakant und die Volontaris eine freie Gruppe ohne Anbindung an den TVG, die allerdings eine äusserst wichtige Aufgabe erfüllten, schreibt Meier.

Das Stadionprojekt habe erfreulich an Schwung gewonnen, so Meier. Etliche Punkte und Unklarheiten seien in den letzten Tagen zusammen mit dem Architekten geklärt worden und man sei mit Zuversicht daran, die Planung abzuschliessen. Danach könne man die Finanzierung an die Hand nehmen. «Die Zeichen stehen gut und die neue Geschäftsleitung ist mit viel Elan bei der Sache.»

Dass damit aber wohl noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, beweist ein Anruf Gilomens bei der Redaktion dieser Zeitung: Es stimme nicht, dass er keine Aufgabe mehr habe im Verein. Er sei immer noch Chef der Abteilung Sport und Spass und ihm sei einstimmig von den Volontaris das Vertrauen als deren Leiter ausgesprochen worden. Dass er offiziell nicht mehr Ressortchef Stadion sein solle, habe damit zu tun, dass sein Name an der letzten GV einfach gestrichen worden sei, ohne vorherige Ankündigung. Dieser Umstand sei von mehreren Mitgliedern bemängelt und gerügt worden.

Wie gesagt, das letzte Wort scheint beim TVG noch nicht gesprochen. Wohl aber bei der Stadt, die sich in Zukunft gut überlegen wird, wo sie die Bundesfeier durchführen will.

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