Aargauer Derby

Wohlen-Goalie Tahiraj brillierte: Aarau konnte die Überzahl nicht verwerten

Auf der Wohler Niedermatten lief das grosse Aargauer Derby des FC Wohlen gegen den FC Aarau. Aarau kam trotz Überzahl nicht zum Torerfolg - die Partie endete 0:0. Nach dem zehnten Derby wartet Wohlen weiterhin auf einen Sieg gegen den Kantonsrivalen.

Es ist unfassbar. Was zwangsläufig dazu führt, eine höhere Macht ins Spiel zu bringen. Frage an Aarau-Sportchef Raimondo Ponte: Glauben Sie als guter Katholik an einen Fussballgott? Ponte, nach dem Spiel fast so abgekämpft, als hätte er selbst auf dem Platz gestanden, flüchtet in die Phrasen-Ecke: «Wir müssen das Glück erzwingen und halt noch mehr tun.» Und dann beschwört Ponte sogar das Böse. «Wir müssen im gegnerischen Strafraum noch böser werden.»

Frage an Aarau-Verteidiger Marco Thaler: Haben sich die Götter gegen den FC Aarau verschworen? Thaler, normalerweise ein redegewandter junger Mann, stammelt: «Dass wir keine unserer Chancen verwerten, ist unerklärlich. Aber wenn man wie wir unten steht, kommt alles Negative zusammen. Ich glaube in diesem Zusammenhang nicht an höhere Mächte.»

FC Wohlen - FC Aarau 0:0 (29.11.2015) Stimmen zum Spiel

Marco Thaler: «Kein gerechtes Resultat – wenn man die Chancen anschaut»

Frage an Aarau-Trainer Marco Schällibaum: Gibt es eine Erklärung für dieses aus Aarauer Sicht absurde 0:0? «Ich bin ein anständiger Mensch. Meine Spieler sind anständige Menschen. Und sie haben unter der Woche, aber auch im Spiel gegen Wohlen unglaublich viel investiert und deshalb auch viel mehr verdient als dieses 0:0. Ich habe keine Erklärung für dieses Resultat.»

Teufelskerl Tahiraj

Die einzige Erklärung ist Wohlens Torhüter Flamur Tahiraj. Auf die Gefahr, dass das Prädikat Weltklasse im Umfeld der Challenge League abenteuerlich anmutet, bleiben wir dabei: Tahiraj ist im Aargauer Derby Weltklasse.

Man kann den Aarauern nicht mal vorwerfen, sie seien mit ihren Chancen fahrlässig umgegangen. Tahiraj hatte einfach für jedes Problem eine Lösung. Wobei das Problem meist einen Namen hatte: Petar Sliskovic.

Der Kroate kommt zu drei absolut hochkarätigen Möglichkeiten. Aber er scheitert sowohl mit dem Fuss als auch mit dem Kopf an Tahiraj. Wobei seine Versuche im Unterschied zu früheren Auftritten qualitativ hochstehender waren. Aber eben: Tahiraj war Weltklasse.

Nicht nur Sliskovic, sondern auch Igor Nganga, Sven Lüscher und Luca Radice müssten zwingend einen Treffer erzielen. Der Kongolese scheitert im Eins-zu-Eins-Duell an Tahiraj. Ebenso Lüscher. Und Radice trifft aus elf Metern das Tor nicht.

Auch wenn es das Chancenplus suggeriert: Aarau zeigt keine Galavorstellung. Verständlich, dass eine Fragilität nach zuletzt sechs sieglosen Spielen erkennbar ist. Gleichwohl gewinnt man in der ersten Halbzeit den Eindruck, die Akteure des Tabellenletzten würden ihre heikle Situation verkennen.

FC Wohlen – FC Aarau: Kantonsrivalen im Derby

FC Wohlen – FC Aarau: Kantonsrivalen im Derby

Captain Sandro Burki beispielsweise fehlt es an gedanklicher Frische, weshalb er kaum in einen Zweikampf kommt. Oder bei Marvin Spielmann, diesem hochbegabten 19-Jährigen, ist der Wille nicht erkennbar, sich gegen Widerstände zur Wehr zu setzen. Und Sven Lüscher spult wie gewohnt sein Pensum ab, was in seiner derzeitigen Verfassung kein Gütesiegel ist. Einzig der Brasilianer Carlinhos, beim 0:2 gegen Xamax aus disziplinarischen Gründen nicht in der Startformation stand, sorgt in der Offensive für eine Prise Temperament.

Marco Schällibaum - nicht auf dem Holzweg

Es braucht den Platzverweis gegen Wohlens Marijan Urtic in der 53. Minute, um Dominanz aufzubauen. Spielerisch bleibt zwar auch in Überzahl vieles Stückwerk beim FC Aarau. Aber zumindest kommt das Team von Marco Schällibaum in der letzten halben Stunde zu hochkarätigen Chancen.

«Auch wenn es extrem schwierig ist: Aber wir müssen wieder aufstehen», sagt Marco Thaler, der beste Aarauer am Sonntagnachmittag. Derweil wähnt sich Schällibaum, der auch in seinem fünften Spiel als Aarau-Trainer sieglos bleibt, auf dem richtigen Weg. «Die Einstellung der Mannschaft und wie sie in Wohlen mit dieser Drucksituation umgegangen ist, stimmt mich zuversichtlich.» Nur: Der FC Aarau sieht kein Land. Der Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz beträgt wie vor der Nullnummer in Wohlen fünf Punkte.

Vier Tage vor dem Derby baten wir unsere Leser, an dieser Umfrage teilzunehmen. Sehen Sie jetzt das Ergebnis:

Lesen Sie hier die Partie in unserem Liveticker nach:

Blog FCW-FCA

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