FC Aarau

Trotz Krise: Olivier Jäckle erklärt Aarau seine Liebe

Olivier Jäckle hat vom FC Aarau einen neuen Zweijahresvertrag vorliegen.

Olivier Jäckle hat vom FC Aarau einen neuen Zweijahresvertrag vorliegen.

Der FC Aarau und Innenverteidiger Olivier Jäckle stehen vor einer Vertragsverlängerung bis 2018. Trotz nicht immer einfachem Stand sagt Jäckle: «Der Verein und die Menschen im Umfeld sind mir ans Herz gewachsen.»

Raimondo Ponte sitzt in seinem Container – pardon – in seinem Büro im Brügglifeld. Der Sportchef des FC Aarau blickt auf die Kaderliste und studiert die Namen der Spieler. Beim einen oder andern stehen ihm die Haare zu Berge. Beim einen oder anderen senkt er den Kopf.

Es macht den Anschein, als dass er der Reihe nach über den Holländer Mart Lieder und den Kroaten Petar Sliskovic gestolpert ist. Plötzlich huscht ein Lächeln über Pontes Gesicht: «Olivier Jäckle ist ein Versprechen für die Zukunft», sagt er. «Er ist der erste Spieler mit auslaufendem Vertrag, mit dem ich gerne verlängern würde.»

Vertreten durch Berater

Gesagt, getan! Ponte trifft sich mit Jäckle. Nach einer kurzen Unterredung ist klar: Jäckle will beim FC Aarau bleiben und den bis Ende dieser Saison dauernden Vertrag um zwei Jahre verlängern. Die Vertragsverhandlungen muss Ponte allerdings nicht mit dem Spieler, sondern mit dessen Berater Marco Lichtsteiner führen.

Mag sein, dass Lichtsteiner für seinen Schützling in finanzieller Hinsicht leicht verbesserte Konditionen herausholen will. Mag sein, dass der Vertrag eine Klausel beinhaltet, nach der die schriftliche Vereinbarung bei einem Abstieg des FC Aarau in die Promotion League ungültig ist.

Bleibt der FC Aarau Ende Saison 2015/16 aber in der zweithöchsten Spielklasse, steht einer weiteren Zusammenarbeit nichts mehr im Weg. Der Grund für den neuen Zweijahresvertrag liegt auf der Hand. Jäckle lässt seinen Gefühlen trotz der sportlichen Krise freien Lauf. «Ich bin jetzt schon im fünften Jahr beim FC Aarau und fühle mich wohl im Brügglifeld», sagt der 22–Jährige. «Ich hatte gute und weniger gute Zeiten. Aber eines steht fest: Der Verein und die Menschen im Umfeld sind mir ans Herz gewachsen.»

Besonders dankbar ist Jäckle seinem grossen Förderer René Weiler. Weiler war der Trainer, der Jäckle zum Stammspieler machte und ihm jenes Selbstbewusstsein einflösste, das ihn stark machte. Der junge Mann mit der feinen Technik rechtfertige Weilers Vertrauen und setzte zwischen 2012 und 2014 zu Höhenflügen an. Der Aufstieg in die Super League und eine starke Saison in der höchsten Spielklasse waren der verdiente Lohn für Jäckle.

Weilers Abgang zu Beginn des Sinkflugs

Wie aber sagte Weiler vor seinem Abgang aus freien Stücken so schön: «Der FC Aarau wird erst wissen, was er an mir hatte, wenn ich weg bin.» Das waren rückblickend nicht nur grosse Worte. Nein! Das waren wahre Worte. Weilers Nachfolger Sven Christ startete zwar erstaunlich gut und setzte ebenfalls auf Jäckle.

Kurz vor Ende der Vorrunde der Saison 2014/15 war die Luft beim Trainer und bei den Spielern draussen. Christ verlor und verlor. Das Team verlor und verlor. Und nach Christs Rausschmiss schafften weder Raimondo Ponte noch Livio Bordoli den Turnaround. Und Marco Schällibaum muss momentan die Suppe auslöffeln, die ihm andere während der Zusammenstellung des Teams vor der Saison 2015/16 eingebrockt haben.

Das Derby – kein schönes Spiel

Seis drum; die zweijährige Krise des FC Aarau ist am Dampfen. Ob der Tiefpunkt mit dem Fall ans Tabellenende der Challenge League erreicht ist, wird sich zeigen. Fakt ist, dass die sportliche Misere auch bei Olivier Jäckle Spuren hinterlassen hat. Deutliche Spuren! Der Innenverteidiger konnte sein Leistungspotenzial in dieser Saison nicht ausschöpfen. Und das, obwohl Trainer Bordoli Mitte Vorrunde Sandro Burki als Captain fallen liess und Jäckle in den Spielen gegen Xamax (2:1) und Le Mont (0:0) zum neuen Spielführer erklärte.

Jäckle übernimmt nach eigener Aussage zwar gerne Verantwortung. Aber als Beobachter wurde man das Gefühl nicht los, dass die Captainbinde für ihn mehr Bürde als Würde ist. Das sah wohl auch Bordoli so und brach das Experiment nicht zuletzt wegen der harschen Kritik in der Öffentlichkeit und in den Medien wieder ab.

Jäckle hat keine leichten Zeiten hinter sich. Dennoch verfügt er zweifellos über die Klasse, früher oder später in der Super League spielen zu können. «Das ist mein Ziel», sagt er. «Dafür gebe ich jeden Tag Vollgas.»

Bevor er sich aber die ganz grossen Ziele stecken kann, geht es am Sonntag mit dem FC Aarau im Derby gegen den FC Wohlen darum, einen kleinen Befreiungsschlag im Abstiegskampf zu schaffen. «Das ist schwer genug», erklärt Jäckle. «Es wird mit Sicherheit kein schönes Spiel. Für uns geht es nur um die drei Punkte. Wir müssen dieses Spiel gewinnen. Alles andere ist unwichtig.»

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