Challenge League

Nach dem schwachen Saisonstart: Der FC Aarau ist unter Druck

Beim FC Aarau braucht man jetzt nur etwas: Siege!

Beim FC Aarau braucht man jetzt nur etwas: Siege!

Nach der 2:3-Pleite gegen Biel ist es beim Absteiger aus der Super League fünf vor zwölf. Vielleicht wäre es jetzt angebracht, dass Trainer Livio Bordoli die Zügel wieder fester in die Hand nimmt und die Schraube anzieht.

Malen wir den Teufel an die Wand: Verliert der FC Aarau am nächsten Samstag beim überraschenden Leader FC Chiasso (Anpfiff um 17.45 Uhr), beträgt der Rückstand auf die Tessiner acht Punkte. Und das nach nur vier Runden! Dem Auswärtsspiel in Chiasso kommt also wegweisende Bedeutung zu.

Um eine optimale Vorbereitung zu gewährleisten und am Spieltag dem Risiko eines Staus vor dem Gotthard-Tunnel aus dem Weg zu gehen, wird die Mannschaft schon am Freitag in die Südschweiz reisen. Gut so! Und vielleicht sollte Trainer Livio Bordoli am Samstagmorgen noch eine zweistündige Trainingseinheit durchführen. Einfach deshalb, dass die Spieler spüren, was es geschlagen hat...

Spass beiseite, die Lage ist ernst genug. Erinnern Sie sich? Hätte Servette Ende letzter Saison die Lizenz für die Challenge League erhalten, wäre Biel abgestiegen. Und ausgerechnet gegen die Seeländer hat der FC Aarau 2:3 verloren – nach einer 2:0-Führung zur Pause!

Brutale Wende: Alle schönen und alle schlimmen Goals in Kurzfassung.

Brutale Wende: Alle schönen und alle schlimmen Goals der Partie vom Sonntag in Kurzfassung.

Hat man Biel unterschätzt?

Wer sich auf die Suche nach Gründen des Leistungseinbruchs macht, tut sich schwer. «Ich kann mir das Ganze fast nicht erklären», erklärt Raimondo Ponte, der seit kurzer Zeit Mitglied vom Sportausschuss des FC Aarau ist. «Vielleicht hat der eine oder andere Spieler die Sache nach dem 2:0 auf die leichte Schulter genommen.»

«Das kann es nicht sein»: Captain Sandro Burki nach dem Spiel.

«Das kann es nicht sein»: Captain Sandro Burki nach dem Spiel.

Vielleicht! Weil Hochmut vor dem Fall kommt, wurde der FC Aarau für die Nonchalance nach der Pause bestraft. In der Verantwortung stehen vor allem die Spieler. Für sie wird die Partie in Chiasso zu einem Charaktertest. Nach dem verpatzten Saisonstart mit zwei Punkten aus drei Spielen muss dem Hintersten und Letzten klar sein, dass Siege in der Challenge League nur mit Kampfkraft und Einsatzwillen möglich sind. Gras fressen und punkten, muss also das Motto heissen.

Es braucht Strenge

Vorwürfe gefallen lassen muss sich aber auch Livio Bordoli. Es muss nicht schlecht sein, dass der Tessiner vom Typ her eher ein Kumpel statt ein strenger Lehrmeister ist. Es muss nicht schlecht sein, dass ihm bei seinen Trainingsmethoden das Zuckerbrot näher ist als die Peitsche. Aber ausserordentliche Ereignisse erfordern ausserordentliche Massnahmen. Das heisst: Nach einer Blamage wie gegen Biel wäre es nicht verboten, den freien Tag zu streichen und den Spielern eine Zusatzschicht mit Lauf- und Krafttraining zu verordnen.

Nach der 2:3-Blamage des FC Aarau gegen den FC Biel: Stimmen zum Spiel

Nach der 2:3-Blamage des FC Aarau gegen den FC Biel: FC-Aarau-Spieler Kim Jaggy und Cheftrainer Livio Bordoli im Interview.

Nötig hätte diese vor allem der Brasilianer Carlinhos, den Bordoli als Schlüsselspieler ausgemacht hat. Davon ist bis jetzt nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Und noch etwas: Dass Bordoli nach knapp einer Stunde Sven Lüscher für Ridge Mobulu gebracht hat, war schlicht und einfach falsch. Mobulu schoss das 2:0 und wäre dank seiner Konterstärke für einen weiteren Treffer gut gewesen.

Schlechte Vorzeichen

Bordoli tut gut daran, die aktuelle Situation als zumindest brenzlig einzuschätzen. Die Ausgangslage in der Challenge League ist in dieser Saison gefährlich. Sehr gefährlich. Die zehn Mannschaften sind von der Papierform her betrachtet – Ligakrösus Wil ausgenommen – sehr ausgeglichen besetzt. Genauso schnell wie man an die Tabellenspitze klettern kann, kann man ans Tabellenende abrutschen.

Ein klarer Abstiegskandidat ist in der zweithöchsten Spielklasse bislang nicht auszumachen. Natürlich sind erst drei Spiele ausgetragen. Aber aufgepasst: Die Vorzeichen für die folgenden Ernsteinsätze in Chiasso und am übernächsten Donnerstag gegen Winterthur sind beim FC Aarau alles andere als vielversprechend.

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