Noch kann niemand vorhersagen, ob Spielmann seinen Verpflichtungen nachkommen wird. Auch der FC Wil, der den 19-Jährigen am Mittwoch für viel Geld vom FC Aarau verpflichtet hat, hat trotz scheinbar grenzenloser finanzieller Möglichkeiten keinen Hellseher engagiert.

In 17 von 18 Spielen kam Spielmann in seiner ersten Challenge-League-Saison zum Einsatz, sechsmal von Beginn an. Dabei hat der Offensivspieler drei Treffer erzielt. Das sind nicht überragende, aber gute Werte für einen Rookie. Nahrung für die Skeptiker liefert Spielmann indes mit seinem Verhalten. Oft scheint es, er betrachte sein Talent als Recht, die Profikarriere nicht bedingungslos vorantreiben zu müssen.

Dem Erwartungsdruck gewachsen?

Der FC Aarau verliert mit Spielmann zwar ein Talent, aber kein Versprechen für die Zukunft. Weil die Aarauer mit dem Verkauf Spielmanns eine hohe sechsstellige Summe einnehmen, war der Mittwoch für einmal ein guter Tag für den Tabellenletzten der Challenge League.

Kurzfristig gilt dies auch für Spielmann selbst. Mit dem Wechsel in die Ostschweiz hat er seinen Lohn wohl mindestens vervierfacht. Das heisst: Er ist von einem auf den anderen Tag nicht mehr der sorglose Lehrling, dem man Flausen noch verzeiht. Jetzt streicht Spielmann pro Monat eine tiefe fünfstellige Summe ein, die mit hohen Erwartungen seines Arbeitgebers verknüpft ist. Ob er mit dem neuen Status, mit dem vielen Geld, umgehen kann? Ob er dem Erwartungsdruck bei Wil gewachsen ist? Ob er ausgerechnet im Klub der hemmungslosen Dekadenz zum ernsthaften Profi reift? Ich bin skeptisch.