Nationalrat

Ein Wahlkampf unter Freunden wäre lukrativer

So viele zusätzliche Wähler bräuchten die Parteien, um einen Sitz zu gewinnen.

So viele zusätzliche Wähler bräuchten die Parteien, um einen Sitz zu gewinnen.

Weshalb die Parteien, die nicht im Bundesparlament vertreten sind, gegen ihre Bündnispartner kämpfen sollten und nicht gegen den politischen Gegner.

Zwei Sitze für die SP, je einen für FDP, CVP und SVP. So lautete vor vier Jahren das Resultat der Nationalratswahlen im Kanton Basel-Stadt. So einfach das Resultat aussieht – es ist das Resultat von komplizierten Bündnissen: Keine der Parteien holt ihren Sitz aus eigener Kraft. Das Extrembeispiel ist die CVP. Hinter dem Sitz steht eine Listenverbindung aus CVP, Grünliberalen, EVP und Speziallisten dieser Parteien.

Damit dieses Bündnis aus Grünliberalen und CVP am 18. Oktober einen zusätzlichen Sitz gewinnt, müssten sie gemeinsam rund 27 Prozent der Wählerstimmen erzielen – ein unrealistisches Plus von elf komplett überfüllten BVB-Drämmli an Wählern, wie der Grafik oben zu entnehmen ist. Denn die beiden Parteien haben 2011 lediglich 17 Prozent erzielt – etwa genau so viel, wie es in Basel-Stadt für einen Nationalratssitz braucht. Ganz ähnlich schaut es bei den weiteren Listenverbindungen aus: Das Grüne Bündnis bräuchte ein massives Plus von rund 2000 Stimmen (oder vier überfüllte Drämmli), die Grünliberalen sogar über 5000 Zusatzstimmen.

Viel realistischer wäre es für die drei derzeit nicht im Nationalrat vertretenen Parteien Grünes Bündnis, Grünliberale und LDP, den jeweiligen Sitz ihrer Bündnispartner anzugreifen. Den Grünen würden rund 500 zusätzliche Stimmen reichen, um der SP den zweiten Sitz abzujagen – sprich ein Drämmli. Dasselbe gilt für die Grünliberalen, denen 2011 rund 500 zusätzliche Wähler fehlten, um den Sitz ihres Listenverbindungs-Partner CVP zu holen. Und auch die LDP bräuchte nur halb so viele Zusatzstimmen, um anstelle des FDP-Kandidaten im Nationalrat zu sitzen.

Der erfolgsversprechendste Weg nach Bern wäre demnach eine Schlammschlacht gegen die jeweiligen Bündnispartner: Grüne gegen die SP, Grünliberale gegen CVP und Liberal-Demokraten gegen FDP. Obwohl die Ausgangslage absurd erscheint, so ist es angesichts der unrealistischen Chance der Parteibündnisse, einen zusätzlichen Sitz zu erobern, dennoch das einzig wirklich spannende Szenario im Basler Nationalratswahlkampf 2015. Aus diesem Grund wird die bz in einer Serie die Machtverhältnisse innerhalb der drei grossen Listenverbindungen unter die Lupe nehmen: Gelingt es den Grünen, auf Kosten der SP einen Sitz zu gewinnen? Kann die LDP mit Spitzenkandidat Christoph Eymann den amtierenden FDP-Nationalrat Daniel Stolz überflügeln? Und gelingt es den Grünliberalen, gegenüber ihres Listenverbindungspartners CVP die nötigen rund 500 Stimmen gutzumachen, um anstelle von Markus Lehmann mit einem eigenen Kandidaten in den Nationalrat einzuziehen?

Spezialfall SVP

Aussen vor in dieser Diskussion ist übrigens die SVP, die auch 2011 in Basel-Stadt ausser der EDU keinen namhaften Bündnispartner zu verzeichnen hat. Aber auch die Volkspartei wird in der bz-Serie berücksichtigt werden – und zwar gerade weil sie keinen Bündnispartner hat. Denn durch die rechtspopulistische Volksaktion gehen der SVP zusätzliche Stimmen verloren, die sie zwar nur unmerklich näher an einen zweiten Sitz brächten, aber mithelfen würden, den Sitz von SVP-Nationalrat Sebastian Frehner zu sichern.

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