Der Mann, der bei Emmen LU eine 26-Jährige vergewaltigt und schwer verletzt hatte, ist auch fünf Monate nach der Tat nicht gefasst. Er ist nicht unter den 355 Männern, die zu einem Massen-Gentest antraten. Insgesamt überprüften die Ermittler bisher gegen 600 Personen.

Drei Verdächtige wurden im Zuge der Ermittlungen vorübergehend festgenommen, wie die Luzerner Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Deren DNS entsprach aber nicht jener des möglichen Täters.

Insgesamt überprüften die Ermittler bei einem Massen-Gentest bislang 355 Personen. Der Täter war laut Staatsanwaltschaft nicht unter ihnen.

Vergewaltigungsopfer von Emmen war auf dem Heimweg

Vergewaltigungsopfer von Emmen war auf dem Heimweg (August 2015)

Die Ermittlungen laufen weiter. So stehe beim Massen-Gentest das Resultat von zwei Proben noch aus, heisst es in der Mitteilung. Zudem hätten 14 Proben noch nicht erhoben werden können, weil sich die Betroffenen im Ausland oder in den Ferien befänden. Insgesamt wurden 371 Männer zum Test aufgeboten.

Neben dem Erbgut der drei Festgenommenen überprüfte die Staatsanwaltschaft auch die DNS von 27 weiteren Personen. Zudem seien über 200 weitere Personen polizeilich überprüft worden. Da bei diesen bereits DNS-Material vorlag, hätten keine zusätzlichen Tests durchgeführt werden müssen.

Am 21. Juli 2015 wurde auf dem Dammweg in Emmen zu nächtlicher Stunde eine 26-jährige Frau von ihrem Velo gerissen und in einem nahen Wald vergewaltigt. Die Frau erlitt bei dem Überfall schwerste Verletzungen. Sie ist seit der Tat querschnittgelähmt.

Via Polizei veröffentlicht die Opferfamilie ein emotionales Schreiben:

«Vor einigen Monaten wurden wir von diesem fürchterlichen Gewaltverbrechen in Emmen schwer getroffen. Wir, das heisst unsere ganze Familie. Wir als Familie kämpfen jeden neuen Tag um ein Stück Normalität. Es ist ein langer Weg und sehr schwer zu tragen.

Die überwältigende landesweite Anteilnahme der Bevölkerung berührt uns sehr. Darum ist es uns ein besonderes Anliegen, vor Weihnachten vielen Menschen Danke zu sagen. Allen Ersthelfern, die ihr Menschenmöglichstes getan haben um Leben zu retten. Dem Luzerner Kantonsspital LUKS, allen Ärzten, Chirurgen, Mitarbeitern des Intensivpflegedienstes im Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil und der Stiftung für Schwerbehinderte in Luzern. Aber auch der Polizei, der Staatsanwaltschaft, der Initiantin des Spendenkontos, den Spenderinnen und Spendern und unseren Arbeitgebern, die uns in dieser schwierigen Zeit unterstützt haben. Auch denjenigen Medien, die pietät- und respektvoll mit diesem Fall umgegangen sind, möchten wir danken.

Es sind viele Menschen, die versuchen mit uns zusammen ein Stück dieses nicht immer einfachen Weges zu gehen. Besonders gerührt hat uns ebenfalls der Solidaritätsmarsch am 22. August, den eine anonyme Organisatorin ins Leben rief und der von Firmen wie dem Näh- und Hobbyzentrum Vonarburg, der Bäckerei Bachmann, der Papeterie Waldis und der Gärtnerei Heini unterstützt wurde.

Diese Hilfe aus der Bevölkerung ist sehr emotional für uns. Die vielen Briefe, Kinderzeichnungen, lieben Worte und Wünsche helfen, unseren Schmerz ein wenig zu lindern.

Der Täter ist nach Monaten noch immer auf freiem Fuss. Wir hoffen, dass er evt. auch mit sachdienlichen Hinweisen aus der Bevölkerung schnellstmöglich gefasst wird.

Wir werden an Weihnachten auf schwere Monate zurückblicken und trotzdem mit geeinten Kräften hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Danke für Ihre liebe Unterstützung.»

Vergewaltigung von Emmen: Der öffentliche Brief der Opferfamilie