Winter
Abschleppdienste arbeiten im Akkord

Während es die Wintersportler freut, wenn der Schnee in Massen bis ins Mittelland fällt, sind die Autofahrer bei den prekären Strassenverhältnissen oft genervt und teilweise überfordert. Allein im Aargau gab es gestern zwischen 15 Uhr und Mitternacht erneut rund 20 Unfälle. Beim Abschleppdienst herrscht Hochbetrieb.

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Viele Strassen sind wegen des Salzmangels nicht mehr schwarz geräumt. Im Kanton Aargau ereigneten sich übers Wochenende bis heute gut 60 Unfälle, im Kanton Solothurn waren es sogar über 100 Unfälle. Allein am Montag ereigneten sich zwischen 15 Uhr und Mitternacht wieder rund 20 Unfälle auf Aargauer Kantonsgebiet. Eine Person wurde mittelschwer, fünf Personen leicht verletzt. Meistens bleibt es glücklicherweise aber bei Blechschäden.Gute Zeiten für den Abschleppdienst
Am Wochenende musste der Abschleppdienst des Gräub Autocenter AG in Oberentfelden 18 Mal ausrücken. «Das ist eine überdurchschnittliche Zahl», stellt Thomas Gloor, Leiter Carosserie fest. «Nach ein paar Tagen Schnee werden die Autofahrer übermütig und überschätzen sich», sagt er. So nimmt die Zahl der Unfälle auf Schnee mit der Zeit sogar noch zu.

Die Unfälle passierten laut Gloor vor allem mit älteren Fahrzeugen, denen Sicherheitssysteme wie ABS oder ESP fehlen. Auch schlechte Pneus führten häufig zu Unfällen auf glatter Fahrbahn. «Wenn die Autofahrer mit besseren Pneus unterwegs gewesen wären, hätte sicherlich ein grosser Teil der Unfälle verhindert werden können», sagt Gloor.

Der Abschleppdienst des Gräub Autocenter wird auch in den nächsten Stunden und Tagen noch Hochbetrieb haben. Die Wetterfrösche sagen zwar Regen voraus, doch dieser kann auf schneebedeckter Fahrbahn zu noch prekäreren Verhältnissen führen, als wir sie bereits jetzt vorfinden.
Schrott in Reihe

Reihenweise stehen die demolierten Autos auch in der Garage von Roland Christen in Biberist. In einem Bericht von Tele M1 stellt er fest, dass die Autofahrer teilweise sogar noch mit Sommerpneus unterwegs sind.

Bei diesem Wetter haben auch die Versicherungen viel zu tun. Am Montagmorgen gingen allein bei der Mobiliar Aarau zehn Schadenmeldungen ein. Für Herbert Wiederkehr, Schadenchef der Mobiliarversicherung Aarau, ist es vor allem das fehlende Salz, das zu den Unfällen führt. «Die Leute sind sich gewöhnt, dass die Strassen geräumt und schätzen die Situation falsch ein», sagt Wiederkehr.
Auch bei der AXA Winterthur vermeldet man mehr Schadenfälle. «Bei den Unfällen registrieren wir zwar nur eine marginale Steigerung, bei den Pannen merkt man aber deutlich, dass Winter ist», sagt Marion Schihin, Mediensprecherin der AXA Winterthur.

Sollte man das Auto bei diesem Wetter also besser zuhause lassen? «Nein, aber die Lenker müssen die Geschwindigkeit unbedingt anpassen», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. «Man muss morgens halt früher aus dem Haus, und muss sich für den Weg einfach mehr Zeit nehmen», empfiehlt Graser. Auf glatten Strassen sollte man nie brüsk bremsen müssen, deshalb ist es laut Graser unbedingt notwendig, noch weiter vorauszuschauen als normalerweise. (dge)