Presseschau
Ukraine-Krieg, Natallia Hersche und Fall Raiffeisen: Das schreibt die Sonntagspresse

Diese Themen sorgen am Sonntag, 27. Februar für Schlagzeilen.

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Presseschau der Sonntagstitel. (Symbolbild)

Presseschau der Sonntagstitel. (Symbolbild)

Keystone

Müssen wir Angst haben, Frau Amherd?

Der Angriff Russlands zeige, wie nahe uns die Gefahr gekommen sei, sagt Verteidigungsministerin Viola Amherd im Interview mit der «NZZ am Sonntag». «Wir reden hier von einem Krieg in unserer erweiterten Nachbarschaft.» Zwar drohe kein unmittelbarer bewaffneter Angriff Putins auf die Schweiz. Doch Putin sei schwer berechenbar. Im Ernstfall müsste die Schweiz als Nicht-Nato-Mitglied selbst für ihre Sicherheit sorgen.

«Wir können im Angriffsfall andere Länder um Unterstützung ersuchen. Aber ob uns geholfen würde, ist offen.»

Sie wolle zwar die Krise nicht für Propaganda in eigener Sache missbrauchen, sagt Amherd. Und wirbt dann doch für die F-35-Kampfflugzeuge, deren Anschaffung sie in ihrer aktueller Armeebotschaft beantragt: «Es war vorher schon klar, dass wir die Luftwaffe erneuern und die Bodentruppen modernisieren müssen», sagt sie. «Jetzt ist es noch offensichtlicher.» Die grösste aktuelle Gefahr, die für die Schweiz von Russland ausgehe, seien Angriffe im Cyberbereich: «Man sieht auf Twitter, Facebook und in den Kommentarspalten der Online-Zeitungen derzeit sehr viele prorussische Kommentare», meint Amherd. «Nicht alle stammen aus der Feder von normalen Bürgerinnen und Bürgern, sondern sie wurden wahrscheinlich gesteuert.» Sie wünsche sich beim Anblick der Kriegsbilder aus der Ukraine, dass wir Schweizer uns bewusst würden, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit sei. «Ich wünsche mir, dass wir uns weniger über Belanglosigkeiten aufregen.»

Coop und Migros in der Top 40 der grössten Handelsfirmen der Welt

Die Beratungsfirma Deloitte ermittelt jedes Jahr die grössten Handelskonzerne der Welt. Mit den Genossenschafts-Multis Migros (Platz 36) und Coop (Platz 39) sind erstmals zwei Schweizer Firmen unter den grössten 40 Händlern der Welt. Das liegt auch daran, dass sowohl Migros wie Coop während der Corona-Krise zulegen konnten, während andere empfindliche Verluste hinnehmen mussten. Bemerkenswert sind die guten Platzierungen vor allem deshalb, weil Coop und Migros den Löwenanteil ihres Geschäfts in der Schweiz machen, einem vergleichbar kleinen Markt. Es veranschaulicht die Dominanz der beiden Genossenschaften im Heimmarkt. «Die Schweiz ist zwar ein kleines Land, aber es hat im Vergleich zu anderen Ländern nur wenige, dafür grosse Akteure», sagt Karine Szegedi, Expertin für die Konsumgüterindustrie bei Deloitte in Genf gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Natallia Hersche: «Die Schweiz hat sehr viel für mich gemacht.»

Eineinhalb Jahre lang sass Natallia Hersche wegen der Teilnahme an einem Protest in Belarus in Haft. Im ersten Interview nach ihrer Freilassung spricht die schweizerisch-belarussische Doppelbürgerin mit der «NZZ am Sonntag» über die dunkelste Zeit ihrer Gefängnisstrafe. Weil sie keine Kleider für das Regime nähen wollte, musste Hersche 46 Tage in Einzelhaft. «Die Zeit im Karzer war das Schlimmste, das ich erleben musste, es war Folter», sagt sie. Im engen Raum sei es sehr kalt und feucht gewesen. Schlafen musste Hersche auf einem Holzbett ohne Matratze und Decke. Um sich aufzuwärmen, begann sie, an Ort und Stelle zu joggen. Ihre Freilassung, welche durch diplomatische Bemühungen zustande kam, sieht Hersche mit gemischten Gefühlen. «Es war zu Beginn für mich nicht einfach, dies zu akzeptieren», sagt sie. «Es fühlte sich an, wie ein Austausch: Die Schweiz anerkennt Lukashenko und im Gegenzug komme ich frei.» Sie habe dann aber «umdenken» müssen: «Die Schweiz hat sehr viel für mich gemacht.» Hersche plant nun, sich in der belarussischen Opposition zu engagieren.

Fall Raiffeisen: Justiz ermittelte wegen Todesdrohungen gegen Journalist Lukas Hässig

Der Zürcher Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig berichtete 2016 als erster über den Fall Raiffeisen. Wie Recherchen von SonntagsBlick zeigen, erhielten 2018 er und seine Frau Todesdrohungen, nach einer Serie von Artikeln zum Thema. Am 9. März 2018 klingelte nachmittags Hässigs Telefon. Eine Person mit verstellter Stimme drohte ihm auf Spanisch: «Wenn du mit Schreiben nicht aufhörst, wirst du bald tot sein.» Wenige Minuten später passierte dasselbe bei seiner Frau. Wieder eine verstellte Stimme, wieder auf Spanisch.

Nachdem Hässig den Vorfall bei der Polizei gemeldet hatte, begann die Zürcher Staatsanwaltschaft mit Vorermittlungen gegen unbekannt wegen Drohung und versuchter Nötigung. Im Visier stand zeitweise Pierin Vincenz’ ehemalige Affäre S. O., die aufgrund eines Deals mit Vincenz einen Millionenbetrag erhalten hatte. Der Grund war eine gewaltsame Eskalation im Zürcher Hotel Hyatt zwischen O. und Vincenz im Jahr 2014; im damaligen Arztbericht waren ein Rippenbruch, eine geschwollene Hand und «Hämatome an allen vier Extremitäten» diagnostiziert worden, wie der «SonntagsBlick» schreibt.

Weil die Drohungen gegen Hässig mit unterdrückter Nummer über einen rumänischen Server gekommen waren, wurden die Behörden auf die Moldawierin aufmerksam. Sie ordneten am 19. April 2018 eine «begleitete Edition» an, eine Va­riante der Hausdurch­suchung, bei der die Auskunftsperson das Material selbst aushändigen darf. Die Sache blieb juristisch ohne Folgen. Hässig wollte sich gegenüber SonntagsBlick nicht äussern.

Umfrage zum Ukraine-Krieg: Mehrheit der Schweizer will EU-Sanktionen

Der Bundesrat steht in der Kritik, weil er sich mit der Übernahme der EU-Sanktionen gegen Russland ziert. Nun zeigt eine Umfrage, dass die Bevölkerung anders denkt als die Regierung. Mit 52 Prozent spricht sich eine knappe absolute Mehrheit dafür aus, dass die Schweiz die EU-Sanktionen gegen Moskau übernimmt. Ein Viertel ist dagegen, ein weiteres Viertel zeigt sich in dieser Frage unentschlossen. Das geht aus einer repräsentativen, gewichteten Online-Umfrage des Forschungsinstituts Link bei 1009 Schweizerinnen und Schweizern hervor, über die der «SonntagsBlick» berichtet.

Nur 22 Prozent sind der Meinung, dass Sanktionen nicht mit der schweizerischen Neutralität in Einklang stehen. 56 Prozent halten wirtschaftliche Massnahmen hingegen sehr wohl für vereinbar mit der traditionellen Neutralität. Lediglich 26 Prozent sind der Meinung, dass der Westen militärisch direkt eingreifen sollte. Eine Mehrheit von 54 Prozent lehnt dies ab. 70 Prozent fürchten sich vor einer weiteren Eskalation des Krieges, 48 Prozent sogar vor dem Szenario eines Dritten Weltkriegs.

Rückhalt hat der Bundesrat mit seiner Politik der guten Dienste: Zwei Drittel, 66 Prozent, finden, dass die Schweiz eine aktive Vermittlerrolle einnehmen sollte. Bloss 15 Prozent sind dagegen. Obwohl in Osteuropa Bomben fallen, befürworten noch immer 49 Prozent ­einen Schweizer Beitritt zum Uno-Sicherheitsrat. 28 Prozent sagen Nein. Bemerkenswert eindeutig fällt das ­Urteil in der Flüchtlingsfrage aus: 72 Prozent finden, dass die Schweiz Schutzsuchende aus der Ukraine aufnehmen soll.