Ornamente statt Strassenpläne

Grenchens Stadtbaumeisters zweite Seele ist der Kunst gewidmet. Claude Barbey betreibt in Arch ein Atelier. Nun stellt er erstmals nach einer langen Pause wieder aus.

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Ornamente statt Strassenpläne

Ornamente statt Strassenpläne

Solothurner Zeitung

Urs Byland

Beinahe eine Rundumsicht auf Archs Dächer, die Witi und den Jurasüdfuss gewährt das Atelier von Claude Barbey im alten Schulhaus von Arch oberhalb der Hauptstrasse. Die Schüler haben schon lange ins benachbarte neue Schulhaus umziehen müssen. Im 2. Stock eingezogen ist mit Grenchens Stadtbaumeister ein umtriebiger Mensch. Früher habe er Radierungen angefertigt, seine Zeichnungen in
Metall eingeritzt und vervielfältigt. Heinz Pfister (Cartoonist «Pfuschi») war sein Lehrmeister. Er lernte Barbey das Radieren. An drei Gruppenausstellungen hat er in der Stadt Bern
teilgenommen, wo er auch als Architekt tätig war. Aber Radierungen sind zeitaufwändig.

Nach seiner Wahl in Grenchens Verwaltung hat seine Arbeit das Zepter übernommen. «Ich habe nichts mehr gemacht.» Bis er es nicht mehr länger ausgehalten habe, nichts Kreatives zu machen. «Die Arbeit als Stadtbaumeister ist schon kreativ, aber eben anders kreativ, als das, was ich auch noch brauche.» Die Waage sei zu dieser Zeit nicht mehr im Gleichgewicht gewesen.

Holz und Linoleum statt Metall

2005 begann er, die Waage wieder auszugleichen. «Da half mir Max Obrecht.» Auch einer aus der Grenchner Verwaltung. Obrecht nahm ihn an Kurse mit. Heute arbeitet Claude Barbey meistens mit Holz oder Linoleum. «Holzschnitt ist im Vergleich zur Radierung wie Hornussen gegenüber Tennis.»

Im Atelier, in dem Claude Barbey seit gut einem Jahr eingemietet ist, kann er seine Grafiken selber
drucken. «In der Schweiz sind ältere Druckerpressen kaum erhältlich. Ich habe meine in Frankreich gefunden.» Stolz zeigt Barbey das kompakte Gerät, mit dem er in seiner Freizeit, in langen Nächten oder am Wochenende Grafiken presst.

An den Wänden lehnen die Grafiken, die er für seine erste Ausstellung ausgewählt hat. Markus Leibundgut habe ihn eingeladen, gemeinsam im Näijerehuus in Hersiwil auszustellen. Morgen Freitag ist Vernissage. Für Claude Barbey kein Grund, wirklich nervös zu sein. «Das ist für mich eine Chance. Ob meine Arbeiten beim Publikum ankommen, ist nicht so wichtig.»

Nordafrika ist spürbar

Quelle sind die Zeichnungen, mit denen er wann immer möglich seine Skizzenbücher füllt. In den jüngsten Werken setzt Barbey Eindrücke seiner Marokkoreisen um, entweder als Monotypien oder in einer Auflage von wenigen Exemplaren. Nordafrika wird spürbar: in den Motiven, in den Farben und im für Claude Barbey typisch ornamentartigen Stil. «Das werde ich nicht mehr los», erinnert er auch an seinen Beruf. «Darin kann ich mich verlieren.» Gleichzeitig beginnt er zu referieren, über das Revival des Ornaments in der Architektur, in der Gesellschaft, überall. Dann steht plötzlich wieder der Stadtbaumeister da, der beredt sein Handeln und Tun erklärt.

Der Zufall kommt ins Spiel

Sein Werk spricht eine andere Sprache. Barbeys Kunst hat etwas Zufälliges und Spontanes in sich. Wie um dies zu bestätigen, sagt er: «In der Regel habe ich eine Vorstellung und versuche diese umzusetzen. Dann kommt aber der Zufall ins Spiel,
wenn ich von der Vorstellung abweiche oder etwas ändere. In diesen Momenten muss man spüren, ob man diesen Weg weitergehen will oder nicht.» Und letztlich würden daraus die spannenden Effekte entstehen. Claude Barbey ist nicht technikverliebt. Er versteht sich als Zeichner und will auch wieder zeitintensivere Radierungen schaffen, wo das «zeichnerische Geschick stärker zum Tragen kommt», wie er sagt.

Seine Grafiken sind Resultate unzähliger Versuche begleitet von Jazzmusik. Er liebt die Spielerei und nutzt die Möglichkeiten, die das Material, die Farbe oder die Technik bieten. Dabei kann der Zufall zu verblüffenden Resultaten führen, etwa wenn er ein Tischset aus Stäbchen als Druckunterlage verwendet. Die Grafik, die daraus entstanden ist, heisst «Die Asche der Katharer». Was so martialisch tönt, ist von ihm ironisch gemeint. Wer dem Zufall eine Hauptrolle gibt, muss über eine gehörige Portion Humor verfügen. Claude Barbey zeigt seinen feinen Sinn für Witz nicht nur in seinen Grafiken. Schon mancher Cartoon, mit dem er das Geschehen in Gemeinderatssitzungen kommentierte, machte die Runde. Als Cartoonist liebt er aber eher den deftigen Humor.

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