Gäuer Naturschutzvereine führten begeisternden Botanik-Grundkurs durch

Von April bis Juni 2019 führten die Naturschutzvereine Neuendorf und Oensingen gemeinsam einen botanischen Grundkurs durch. Die grosse Gruppe von 36 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, bestehend aus sehr interessierten Personen aus den beiden Gemeinden und der näheren und weiteren Umgebung, lernte an 3 Theorieabenden und 4 Feldexkursionen die heimische Flora kennen.

Im theoretischen Teil brachten die Leiter Konrad Zeltner aus Neuendorf und Marco Bobst aus Oensingen den Teilnehmenden Wissenswertes über Systematik, Lebensräume, Aufbau der Pflanzen und den Schutz von gefährdeten Arten näher. „Ein grundlegender botanischer Werkzeugkoffer ist wichtig, damit alle vom selben Pflanzenteil oder von derselben Strategie zum Überdauern des Winters sprechen“, meint Marco Bobst.

Die Feldexkursionen führten durch verschiedene Lebensräume. So wurden in Neuendorf die Frühblüher und Bäume im Wald bestaunt. Zwei Exkursionen wurden in Oberbuchsiten durchgeführt: unter dem Motto „Wiesen und Weiden“ im Gebiet Bergli und unter dem Thema „Säume und Wegränder“ neben den Bahngleisen. Konrad Zeltner war begeistert: "Es ist spannend, die Reaktion der TeilnehmerInnen auf den Exkursionsort „Bahnhof“ zu sehen. Die Erwartungen sind oft eher gering und dann kann so ein bunter Strauss an Pflanzen beobachtet werden." Die Artenvielfalt war enorm gross und es wurden viele Pionierpflanzen vorgestellt. Dies sind Pflanzen, die frisch gestörten Boden als erste Vorreiter besiedeln. Auch viele gebietsfremde Arten, sogenannte Neophyten, wurden entdeckt. Unter ihnen war auch das relativ neu eingewanderte „Südafrikanische Greiskraut“.

Die botanisch gesehen exotischste Wanderung führte über die Oensinger Ravellen. In diesem trockenen, kalkreichen Gebiet wurden bei stürmischem Wetter sehr seltene Pflanzen beobachtet. So konnte der „Alpen-Seidelbast“ oder der in der Schweiz nur in Oensingen nachgewiesene „Felsen-Bauernsenf“, im Volksmund „Ravellenblüemli“ genannt, bewundert werden. Neben Artkenntnis wussten die Leiter viel Zusatzwissen zu den Pflanzen und deren Lebensraum zu vermitteln.

Die Teilnehmenden lernten während Bestimmungsübungen, wie man Pflanzen im Feld erfolgreich bestimmen kann. Auf den Exkursionen wurden die beiden Leiter durch Corinne Suter, Daniel Peier und Philipp Fässler tatkräftig unterstützt. So konnten auch alle von der unterschiedlichen Schwerpunktsetzung der Leiter profitieren.

Für die Leiter Konrad Zeltner und Marco Bobst war es eine grosse Freude, erneut einen botanischen Grundkurs mit so vielen Interessierten TeilnehmerInnen zu leiten. Voraussichtlich im Jahr 2021 soll wieder ein Grundkurs durchgeführt werden, um das Bewusstsein für die Lebensräume in unserer Region zu erhöhen. Im Jahr 2020 soll zuerst wieder ein Grundkurs Ornithologie stattfinden. Interessenten können sich auf den Homepages der Vereine informieren. Das Feuer für unsere heimische Pflanzenwelt wurde in den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sichtlich geweckt. Sie waren sich einig, dass sie deutlich mehr auf die Schönheiten am Wegrand achten als vor dem Kurs. Dieses Feuer wurde während einem gemütlichen, abschliessenden Gebirgswochenende im Maderanertal (Uri) noch weiter angefacht.